Seltener Anblick auf der Saale

Sonntag, 04. März 2007, 07:32 Uhr

Seltener Anblick auf der Saale

Luxusliner "Sanssouci" kam an Oskar Werners Wohnzimmer vorbei … volksstimme.digital, 03. März 2007, Von Thomas Linßner

Wenn auf der Saale ein Binnenschiff fährt, ist das eine Seltenheit. Vor wenigen Tagen passierte aber ein Luxusliner die Schleuse Calbe, dessen Dimensionen mit 82 Metern Länge imposant waren. Calbe. Viele Menschen pflegen ihr Hobby. Die einen sammeln Briefmarken, Bierdeckel oder Münzen, andere haben es mehr mit Orden und Ehrenzeichen oder Ansichtskarten.

Oskar Werner sammelt Anblicke. Und zwar von Schiffen. Immer wenn ein imposanter Binnenkahn in den letzten 27 Jahren an seinem Haus vorbei kam, notierte er dessen Namen. Infolge berufl icher Anspannung ist diese Liste natürlich nicht komplett. Sie macht aber deutlich, dass vor der Wende ein paar mehr Schiffe die Saale hinauf oder hinunter fuhren. Jetzt gehört die Schiffspassage zur großen Seltenheit.

In einem kleinen, grünen Heftchen, dessen Aufdruck " EVP 1, 10 M " daran erinnert, dass es aus Einheitsverkaufspreiszeiten der DDR stammt, lesen wir : Schubeinheit " Labe " – 24. 4. 01, " Labe 4 " – 28. 3. 00 oder großes Lastschiff " Decin ". Die Datierung der Einträge begann Werner leider erst Mitte der 80 er Jahre, davor beschränkte er sich nur darauf, festzuhalten, wer da auf der Saale schipperte. Am 20. November 1984 war es das Lastschiff " Hoffnung ", dessen Name nach Privateigner klingt. Ebenso bei den Motorschiffen " Wilhelm " oder " Heimat " lässt sich das vermuten.

Saalebetrachtung vom Wohnzimmer aus

Oskar Werner steht mit seinem Block nicht den lieben, langen Tag am feuchten Saaleufer. Er ist in einer komfortableren Situation. Die Schiffe sieht er von der guten, warmen Stube aus. Sein Haus auf dem Hang des ehemaligen Bürgergartens, wo Generationen Calbenser schwoften, gestattet einen traumhaften Blick auf den Fluss. Die Kähne kommen also quasi am Wohnzimmer vorbei.

Weil Oskar Werner in Calbe als leidenschaftlicher Fotograf gilt, der beispielsweise die Bilder von Bollen- oder Rolandfesten in leer stehenden Geschäften ausstellt, bekommt er so manchen Tipp, wenn sich etwas mehr oder weniger Spektakuläres tut.

So war es auch in der vergangenen Woche, als ein luxuriöses Fahrgastschiff die Saale hinauf fuhr. Informant war Joachim Ecke, dessen Sohn mit dem Schiffseigner des " MS Sanssouci " befreundet ist. Es ist das neue Flaggschiff des Reiseveranstalters Nautilus in Berlin. Auf zwei Decks reisen bis zu 84 Gäste. Neben den üblichen Annehmlichkeiten eines Fünf-Sterne-Schiffs befinden sich an Bord sogar Sauna und Fitnessraum.

Zweieinhalb Stunden von der Mündung

Das " MS Sanssouci " wird auf der Havel-Elbe-Moldauroute ebenso wie auf dem Rhein bis Rotterdam fahren. Besitzer ist Peter Grundwald aus Peißen. Jetzt liegt das schwimmende Hotel aber erst mal in seinem Winterhafen Alsleben.

Joachim Ecke rief Werner an, als der Luxusliner gerade die Elbe-Saalemündung passierte. Vor dort aus brauchte das Schiff fast zweieinhalb Stunden bis zur Schleuse Calbe.

Binnen- oder Sportschiffe melden sich über Funk, wenn sie sich der jeweiligen Saaleschleuse nähern. 1997 wurden Schilder für den " Schleusenfunk " aufgestellt, die die Frequenz anzeigen. So kann der Schiffsführer weit vor der Schleuse in Erfahrung bringen, ob oder wieviele Schiffe, aus welcher Richtung kommend, den " Wasserfahrstuhl " vor ihm passieren wollen.

Kapitän muss zeigen, was er kann

Auf der Elbe wurde Anfang der 90 er Jahre der nautische Informationsfunk eingeführt, womit sämtliche Binnenschiffe, Fähren und Sportboote ab einer bestimmten Größe ausgerüstet sein müssen.

Doch zurück zum " MS Sanssouci ", das davor " Europa " hieß. Es ist mit 82 Metern Länge und 9, 50 Metern Breite ein stattliches Schiff. Der Schleusentrog misst 100 mal 20 Meter, ist an der schmalsten Stelle an den Toren 12 Meter breit. Der Kapitän muss also zeigen, was er kann.

Wie Oskar Werner in Erfahrung bringen konnte, kommt das " MS Sanssouci " am 4. März von seinem Werftaufenthalt in Alsleben zurück, um anschließend als Hotelschiff Gäste während der Cebit-Messe in Hannover einzuquartieren. Im April verkehrt es dann zwischen Basel und Rotterdam auf dem Rhein.

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