Studie sieht gute Chancen für Binnenschifffahrt in Hansestadt

Mittwoch, 17. Juni 2009, 17:15 Uhr

Studie sieht gute Chancen für Binnenschifffahrt in Hansestadt

Senat will Bedeutung der Branche steigern - Fahrzeuge und Infrastruktur müssen neu gebaut werden - Nabu warnt vor "Schiffs-Highways"

Die Welt, 18.06.2009

Der Hamburger Senat will die Bedeutung der Binnenschifffahrt im Hamburger Hafen deutlich steigern. Während gegenwärtig rund 120 000 Standardcontainer (TEU) zum Hafen oder ins Hinterland transportiert werden, könnten es in einigen Jahren bereits 500 000 TEU sein, sagte Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) am Mittwoch in Hamburg. Der Anteil der mit dem Binnenschiff transportierten Container am Gesamtumschlag des Hafens würde damit von heute zwei auf fünf Prozent zunehmen.

Der Senator stellte ein Gutachten der Firma Uniconsult im Auftrag der Behörde vor, das dem Binnenschiff wegen seiner Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit gute Zukunftschancen bescheinigt. "Die Belastung von Straße und Schiene wird angesichts der mittel- und langfristig weiter steigenden Umschlagmengen noch zunehmen", sagte Gedaschko. "Die Wasserstraße verfügt noch über Kapazitätsreserven, die ausgeschöpft werden sollten." Als umweltfreundliches Verkehrsmittel hat das Binnenschiff die gleiche Tragkraft wie 105 Lastwagen.

Allerdings müsste das Gesamtsystem von Häfen und Wasserwegen leistungsfähiger werden, sagte Gedaschko. In dem Gutachten werden einige Vorschläge gemacht. Zum einen befürwortet es die Trennung von See- und Binnenverkehren, da der Einsatz von Seeschiffbrücken für Binnenschiffe sehr teuer ist. Stattdessen fordert die Studie die Bereitstellung spezieller Binnenschiffsliegeplätze im unmittelbaren Umfeld der Seeterminals. Auch der Bau von neuen und besseren Binnenschiffen wird vorgeschlagen. Die Flotte sei zum Teil stark überaltert, heißt es in der Studie. Außerdem könne der absehbare Bedarf mit dem vorhandenen Transportvolumen nicht ausreichend bedient werden.

Niedrigwasser, Eisgang oder defekte Schleusen würden zudem die Zuverlässigkeit der Binnenschifffahrt in der Logistikkette herabsetzen. Also sollten die Wasserstraßen ausgebaut werden. Nicht zuletzt fordert die Studie die Schaffung einer neuen Infrastruktur: Um die derzeit noch geringe Nachfrage der Binnenschiffstransporte zu steigern, müssten neue Märkte erschlossen und neue Kunden erreicht werden. Deshalb sollten die Angebote über den reinen Schiffstransport hinausgehen und ganze Transportketten beinhalten. Dazu bedarf es der Einrichtung neuer Verteilzentren für die Güter im Hinterland.

Die mögliche Umsetzung der Vorschläge soll zunächst in einem Arbeitskreis mit allen beteiligten Akteuren sowie den betroffenen Elbstromanrainern erarbeitet werden.

Die Handelskammer reagierte positiv auf die Studie und forderte stabile Fahrwasserverhältnisse auf Mittel- und Oberelbe. Handelskammerpräses Frank Horch erklärte, der Senat müsse sich gemeinsam mit der Wirtschaft gegenüber der Bundesregierung für den Ausbau der Oberelbe einsetzen. Der Naturschutzverband Nabu warnte dagegen vor einem Ausbau der Elbe zu einem "Schiffs-Highway" und wies auf die mögliche Zerstörung seltener und gefährdeter Naturräume hin. Durch den Bau von weiteren Buhnen oder eine Vertiefung der Mittel- und Oberelbe werde die Strömungsgeschwindigkeit der Elbe verändert, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Nabu in Hamburg, Alexander Porschke. "Das bringt den Fluss aus seinem natürlichen Gleichgewicht." Porschke befürchtet, dass sich die Sauerstoffwerte des Flusses weiter verschlechtern und wichtige Laichgebiete für Fische verloren gehen.

Dessen ungeachtet beschloss das Bundeskabinett in Berlin ein neues Hafenkonzept, um die deutschen Häfen in der Wirtschaftskrise flottzumachen. Je rund zwölf Milliarden Euro stellt das Bundesverkehrsministerium nach eigenen Angaben in diesem und dem kommenden Jahr zum Ausbau der See- und Binnenhäfen bereit. Geplant ist, die Hafenentwicklung voranzutreiben und die Anbindung an das Hinterland auszubauen, damit es keine Kapazitätsengpässe gibt. "Davon profitiert ganz Deutschland", erklärte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). lno/mk

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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