Stabwechsel an neuer Anlage

Mittwoch, 23. November 2005, 08:00 Uhr

Stabwechsel an neuer Anlage

aus "Mitteldeutsche Zeitung (mz-web)" Bernburg vom 21.11.05

Österreicher führt Solvay - Großinvestition steht kurz vor der Vollendung

von Frank Zimnol, 21.11.05, 19:56h

Bernburg/MZ. Das "mehlartig, weiße Pulver", das demnächst bei Solvay Bernburg produziert wird, ist unbekannterweise in aller Munde. Denn viele Menschen, die genussvoll in ihr Stück Kuchen beißen, werden kaum wissen, dass Backpulver ohne Natriumbicarbonat nicht funktionieren würde. Auch im Brausepulver oder in modernen Sprudel-Tabletten steckt die chemische Substanz, die ab Januar 2005 in einer jährlichen Menge von 100000 Tonnen in Bernburg hergestellt werden soll.

Die neue, für 15 Millionen Euro in nur neun Monaten errichtete Anlage, sei mit die größte von Solvay, sagte der langjährige Werkleiter Peter Jebe, der sich zum Monatsende planmäßig aus dem Berufsleben zurückziehen wird. Sein Nachfolger im Amt, der österreichische Manager Gerhard Eder, verwies darauf, dass dieser Stoff zumeist nur auf Anlagen hergestellt werde, die über eine Jahreskapazität von 20000 Tonnen verfügen. Daran zeige sich, welch hohen Stellenwert der Standort Bernburg im Solvay-Verbund habe.

Das aus Soda, dem Hauptprodukt des anhaltischen Werkes, gewonnene Natriumbicarbonat erfreut sich großer Nachfrage. Neben den bereits erwähnten klassischen Einsatzgebieten, wozu auch noch Tierfutter oder Feuerlöschmittel zählen, bewährt sich das Pulver neuerdings auch im medizinisch-pharmazeutischen Bereich etwa bei der Dialyse (Blutwäsche) sowie bei der wirksamen Reinigung von Rauchgasen in Kraftwerken.

Zusätzliche Arbeitsplätze werden durch die Anlage, die von zehn Leuten bedient wird, nicht entstehen. Wie Eder, ein 62-jähriger diplomierter Maschinenbauingenieur, erläuterte, werde die Mannschaft durch "internes Versetzen" gebildet. Insgesamt beschäftigt die Bernburger Solvay-Tochter rund 450 Mitarbeiter. Jebe verwies darauf, dass sich der Standort seit 1991, als er an den belgischen Solvay-Konzern rückübertragen wurde, dynamisch entwickelt habe. Insgesamt seien 450 Millionen Euro investiert worden, unter anderem in die Modernisierung der Soda-Produktion, in ein leistungsstarkes Kraftwerk sowie in Anlagen zur Produktion des Bleichmittels Wasserstoffperoxid.

Trotz des Erfolgs leide der Standort noch immer unter dem Handicap, seine Produkte nicht per Schiff transportieren zu können, beklagte Jebe. Eder fügte hinzu: "Wenn wir die Saale nutzen könnten, wären wir noch besser aufgestellt." Von den jährlich erzeugten 670000 Tonnen Produkt könnten 250000 sofort auf dem Flusswege abgesetzt werden, rechneten die Manager vor. "Deshalb hoffen wir, dass die Politik endlich grünes Licht für den Ausbau der Saale gibt."

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