Stadtwerke Halle (Saale) mit Umsatzrekord

Samstag, 26. Juli 2008, 07:47 Uhr

Stadtwerke Halle (Saale) mit Umsatzrekord

Hafen Halle soll Hafen werden

Halleforum.de  25.07.2008

Umsatz klettert auf 421 Mio Euro, nach einem Jahr Pause wieder Gewinnabführung, Strompreise bleiben stabil, leichte Erhöhung bei Wasser vorgesehen

(ens) Die Stadtwerke in Halle (Saale) blicken auf einen Umsatzrekord im Jahr 2007 zurück. Das hat der Konzern am Donnerstag auf seiner Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben. Demnach stiegen die Umsätze um 2,1 Prozent auf 421,4 Mio Euro. Zurückzuführen ist das vor allem auf ein Wachstum im überregionalen Stromverkauf. Nachdem im letzten Jahr nach Wertberichtigungen ein Jahresfehlbetrag von 21,7 Millionen Euro aufgelaufen war, kann der Konzern in diesem Jahr wieder ein positives Ergebnis vorweisen. Und das „trotz eines härter werdenden Wettbewerbs“, so Stadtwerke-Chef Wilfried Klose. „Es wird teilweise mit harten Bandagen gekämpft.“

10,5 Millionen Euro Gewinn werden nach einer Nullrunde im letzten Jahr an die VVV (Verwaltungsgesellschaft für Versorgungs- und Verkehrsbetriebe der Stadt Halle GmbH) zur Finanzierung der HAVAG abgeführt. Für das laufende Jahr fordert die Stadt, dass die Stadtwerke 12 Millionen Euro für das Verkehrsunternehmen aufbringen sollen. Weitere 11 Millionen Euro muss die Stadt noch selbst aufbringen. Ursprünglich war geplant, dass die Stadtwerke ab 2009 mit ihren Gewinnen die Verluste der HAVAG ausgleichen. Wegen der aktuellen Ertragslage erscheint das auch in den nächsten Jahren für unwahrscheinlich.

Umsatzsteigerung bei EVH

Den Umsatz deutlich steigern konnte die Konzerntochter EVH. Die Energieversorgung setzte im vergangenen Jahr 368,7 Mio Euro und damit 26,7 Prozent mehr um. Vor allem im Stromkundengeschäft außerhalb von Halle läuft es für die EVH bestens. An die 700 Kunden – unter ihnen der Senf- und Konservenhersteller Develey – wurden 528 Gigawattstunden Strom verkauft, 2006 waren es 468 Gigawatt. Der Umsatz außerhalb Halles kletterte auf 54 Millionen Euro. „Da wird das Geld verdient“, so EVH-Geschäftsführer Berthold Müller-Urlaub. Die Strompreise in Halle werden, so versprach es Müller-Urlaub, in diesem Jahr stabil bleiben. Durch die eigenen Kraftwerke in der Dieselstraße und Trotha, in der 40 Prozent des halleschen Stroms produziert werden, ist die EVH durch Preissteigerungen nicht in dem Maße getroffen wie andere Versorger. Allerdings ist das Kraftwerk Trotha am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Festhalten will die EVH aber am Standort. Bis Ende des Jahres soll deshalb entschieden werden, mit welchen Brennstoffen das Kraftwerk künftig betrieben wird. Nachwachsende Rohstoffe und ein Kernkraftwerk schloss Wilfried Klose aus. Zunächst soll das Kraftwerk nun mit Ersatzbrennstoffen betrieben werden, die zum Teil aus dem halleschen Hausmüll gewonnen werden. In einem anderen Segment, dem Gas, wird die EVH hingegen die Preise zum 1. August um 15 Prozent anheben. „Das tut zwar vielen Kunden weh, musste aber sein“, so Müller Urlaub, der auf steigende Bezugspreise verwies. Überhaupt hat die EVH beim Gas mit einem Absatzrückgang zu kämpfen, nicht zuletzt wegen des milden Winters. Rückgänge deshalb auch bei der Fernwärme. Diese fallen aber nicht ganz so groß aus, weil das TGZ auf dem Weinberg-Campus auf Fernwärme für seine Neubauten setzt.

Hallesche Abwasser GmbH hat rückläufiges Ergebnis

Rückgängig sind die Umsatzerlöse bei der Halleschen Wasser- und Abwasser GmbH. Um 1,4 Prozent auf 87,4 Mio Euro brachen hier die Umsätze ein. Zurückzuführen ist das laut Stadtwerke-Chef Wilfried Klose auf sinkenden Verbrauch und steigende Energiekosten. Seit 2000 habe man trotzdem die Preise stabil halten können. Ob das allerdings im nächsten Jahr noch der Fall sein wird, steht in den Sternen. Möglicherweise wird es 2009 eine kleine Erhöhung geben, „weil wir den Kostendruck nicht halten können.“ Um Kosten zu sparen, hatte die HWA das Wasserwerk Beesen vom Netz genommen und auf Reservehaltung gesetzt. Seit einigen Monaten fließt in den halleschen Leitungen nur noch Fernwasser aus dem Harz. Dadurch war das Wasser in der Saalestadt weicher geworden. „Besser kann man es dem Wasser nicht machen“, so Klose, auch wenn einigen der Kaffee nicht mehr schmecke. „Dafür freuen sich die Teetrinker.“

Hohe Spritpreise verhindern Gebührensenkung

Halles Müllpreise zählen aktuellen Rankings zufolge zu den höchsten bundesweit. Ganz so wollte Matthias Lux, seit Juli dritter Geschäftsführer bei den Stadtwerken, das nicht stehen lassen. Immerhin ist in Halle die kostenlose Bereitstellung der Biotonne enthalten. Diese müsse anderswo extra bezahlt werden. Zu schaffen machen der Stadtwirtschaft steigende Dieselpreise. 1,2 Millionen Euro mehr müsse das Tochterunternehmen für Kraftstoffe aufwenden. Ohne diese Erhöhung hätte möglicherweise sogar eine Senkung der halleschen Müllgebühren angestanden, so Lux. Ursprünglich waren die hohen Preise festgelegt wurden, weil in Lochau eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden sollte. Diese kommt nun doch nicht, stattdessen soll hier eine Sortieranlage entstehen, in der Wertstoffe aus dem halleschen Hausmüll herausgefiltert werden sollen. Bis zu 5 Prozent Metall sei beispielsweise in der Grauen Tonne enthalten. Bis dahin werden 50 Prozent des Mülls in einer Sortieranlage in Lochau getrennt, die andere Hälfte wird in Staßfurt verbrannt. Noch bis vor kurzem wurde der hallesche Müll zur Verbrennung nach Bremerhaven gebracht. Mit der geplanten Sortieranlage und dem Kauf der Abfallwirtschaft Lochau von der Stadt, für die derzeit der Preis ermittelt wird, könne man zudem die Kapazitäten bündeln. „Wir setzen große Hoffnungen in die Entwicklung des Abfallmarktes“, so Klose.

Hafen Halle soll Hafen werden

Eine unendliche Geschichte ist der Hafen Halle. Und so hofft Stadtwerke-Chef Klose auf einen Ausbau der Saale, „damit der Hafen ein Hafen wird.“ Doch trotz fehlender Schiffe hat sich der Containerumsatz verdreifacht, vor allem durch Güterzüge von und nach Bremerhaven. Deshalb wird es hier weitere Investitionen geben. So soll ein neuer Stellplatz für 14-Fuß-Container gebaut werden. Zwischen B6 und Hafen soll zudem ein weiteres Gewerbegebiet für neue Ansiedlungen ausgewiesen werden. Im letzten Jahr hat der Hafen einen Verlust von 1 Mio Euro erwirtschaftet.

Leichte Rückgänge hat das Tochterunternehmen IT-Consult zu verzeichnen. Der Umsatz sank um 300.000 Euro auf 9,3 Mio. An den Konzern führte die ITC 1,1 Mio Euro ab, 200.000 weniger als vor einem Jahr. Nach Angaben der Stadtwerke aber mehr als erwartet wurde. Vor allem bei regionalen Dienstleistungen hatte der Computertechnik-Dienstleister mit Rückgängen zu kämpfen, konnte diese aber durch neue überregionale Aufträge etwas kompensieren.

Gesteigert hat der Konzern die Investitionen gegenüber 2006 um 4,5 Mio Euro auf 66,7 Mio Euro. Auch zukünftig stehen noch große Vorhaben an, so unter anderem die Delitzscher Straße, der Steinweg und diverse Rückbaumaßnahmen in den Plattenbaugebieten. Und auch in die Erschließung des Gewerbegebiets in Queis stecken die Stadtwerke jede Menge Geld, erhoffen Sie sich doch später potente Kunden für ihre Produkte.

Abbauen wird der Konzern auch zukünftig noch bei seinen Mitarbeitern. „Wir werden wohl tendenziell weiter abbauen müssen“, so Wilfried Klose. Gegenüber 2006 verringerte sich die Zahl der Mitarbeiter bei den Stadtwerken bereits um 19. Auf größere Entlassungswellen will Klose aber möglichst verzichten, stattdessen für den Konzern neue Geschäftsfelder suchen. Weiterhin stark engagiert bleiben will man im Bereich Ausbildung. „Wir bilden derzeit über Bedarf aus“, so Matthias Lux. Das aber mit Absicht, rechnet das Unternehmen doch durch den Bevölkerungsrückgang in Zukunft mit einem Fachkräftemangel und will hier vorbeugen. In fünf Ausbildungsberufen sind derzeit pro Jahrgang 38 Azubis im Stadtwerke-Konzern tätig.

Als einziges Stadtwerk in Sachsen-Anhalt sind die Hallenser auch im Ausland aktiv, so unter anderem in Namibia, Vietnam und dem Nahen Osten. Künftig will man sich aber auf Europa, besonders den Osten, konzentrieren. Unter anderem in der Nähe von Warschau ist ein Projekt vorgesehen. Investieren dürfen die Stadtwerke zwar im Ausland nicht. „Aber wir sind ein gefragter Partner“, freute sich Klose.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)