Trotz Eiszeit kein Hafen-Winterschlaf

Mittwoch, 10. Februar 2010, 18:29 Uhr

Trotz Eiszeit kein Hafen-Winterschlaf

Nach letzter Schiffsladung Schrott läuft jetzt Umschlag für Straße und Schiene

MZ-web.de 10.02.10, VON SILVIA BÜRKMANN

ROSSLAU/MZ. Ab 10 Uhr geht nichts mehr. Am Stromkilometer 502 bei Dönitz kommt am Dienstag der Schifffahrtsverkehr auf der Elbe zum Erliegen. Bei klirrender Kälte der letzten Wochen wuchsen auf dem Fluss zuerst hauchzarte "Eisrosen", dann erste Schollen heran. In den angrenzenden Wasserstraßen ohne Strömung (Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal) türmte sich der Eisgang zuerst auf. Nun also bleibt auch der Fluss-Unterlauf dicht. Und damit das Tor nach Hamburg und damit zu den Weltmeeren abgesperrt.

Im Verantwortungsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden (Staatsgrenze bis zur Saalemündung) bleibt der Fluss befahrbar. "Ober- und Mittelelbe bleiben schiffbar", sagte Thomas Grundmann, im Dresdner Amt Schifffahrtsachbearbeiter. Können für das Ladungsaufkommen die Zielorte allerdings nicht mehr erreicht werden, flacht der Schiffsverkehr auch auf offenen Strecken ab, räumt Grundmann ein. Das sei doch logisch.

Unterwegs indes sind immer noch die Eisbrecher. Die Kraftpakete sichern für die Schiffe die Zu- und Ausfahrten an den Liegestellen und Häfen. So auch am Stromkilometer 264, der Einfahrt zum Industriehafen Roßlau. Seit dem Wochenende ist das Hafenbecken zugefroren; auf einer Fläche von rund 50 000 Quadratmetern, was fünf Hektar entspricht. Letztmalig zugefroren war der Hafen im Winter 2004 / 05.

Am Montag aber hatte Hafenbetriebsleiter Gunter Wolf noch einmal einen Eisbrecher angefordert. Um die Ausfahrt frei zu machen für ein letztes Schiff. Die Schubeinheit bekam von den Hafenarbeitern rund 1 000 Tonnen Schrott in den Bauch geladen, auf absehbare Zeit das letzte Umschlagsgeschäft "über Kaikante". Jetzt sind die Kanäle zu und Informationen über neue Schiffszugänge, so Gunter Wolf am Dienstag, liegen nicht vor.

Der Industriehafen Roßlau aber ist trotzdem nicht in den "Winterschlaf" gesunken. Der am weitesten stromab gelegene Landeplatz im Hafenverbund der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO) führt auf seiner Flagge das Stichwort von den trimodalen Umschlagsleistungen, bedient neben dem Wasser noch die Straße und die Bahn als Verkehrsträger. So sind die fünf gewerblichen Arbeitnehmer derzeit im Verladegeschäft an Land im Einsatz. "Sie haben schon gut zu tun", grinst Gunter Wolf. So war in der Vorwoche noch ein Ganzzug mit Getreide zu beladen. Die im Hafen ansässige Firma Geltinger ließ ebenfalls etwa 1 000 Tonnen in die Waggons verladen, die anschließend über den Hafenanschluss ins Bahnnetz gelotst wurden. Auch die Güterumschläge aus und auf Straßenlastzüge gehören zu den Tagesgeschäften im Industriegebiet Industriehafen Roßlau.

Viel Hoffnung auf einen baldigen Wetterumschwung indes hat Wolf nicht. Die Eiszeit 2010 hat den Nordosten fest im Griff. Und Wolfs Kollegen in Dresden erwarten für die Nacht zum Mittwoch die kälteste des Winters. Hier soll es in Sachsen stellenweise bis zu 27 Frostgrade geben.

In der Landeshauptstadt selber und an der Oberelbe war es im Gegensatz zu hiesigen arktischen Verhältnissen bisher noch vergleichsweise mild geblieben. Dresden hatte Dienstagfrüh um 6 Uhr gerade mal sechs Minusgrade auf dem Thermometer. Eine Prognose will auch Thomas Grundmann nicht wagen: "Wir beobachten die laufenden Wetterentwicklungen tagesaktuell."

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