Tumulte um Saale-Ausbau

Freitag, 08. Februar 2008, 22:31 Uhr

Tumulte um Saale-Ausbau

2008 Halleforum.de - Bürgerplattform aus Halle (Saale) , 07.02.2008

Die Gegner und Befürworter des Ausbaus an der unteren Saale haben bei einem Symposium in der Neuen Residenz in Halle um das 80 Millionen Euro-Projekt gestritten. Es gab Geschichte, Gegenwart, Zukunft und Beschimpfungen

(ens) Über 200 Besucher waren am Donnerstag in die Neue Residenz nach Halle gekommen, um über die Zukunft der Saale zu diskutieren. Im Rahmen der Ausstellung "1.000 Jahre Hafenstadt Halle" hatten die Veranstalter um den Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt zu einem Symposium geladen.

"Nie wieder mit dem Rücken zum Fluss"

Geologe Bruno Tauché, einer der Mitorganisatoren, rief in seinem Vortrag dazu auf, sich "nie wieder mit dem Rücken zum Fluss" zu stellen. In der Vergangenheit sei dies viel zu oft passiert. Tauché erinnerte unter anderem an die Überbauung der Gerbersaale um 1900 und die Verschlammung des Mühlgrabens zu DDR-Zeiten. Zudem äußerte er Unverständnis über den geplanten Bau des Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrums an der Spitze. Die Uni habe genügend leerstehende Gebäude in der Innenstadt, die genutzt werden könnten. Neben Hochwassergefahren und der Halleschen Störung müsse zudem die Innenstadt vor einem weiteren Verkehrsaufkommen geschützt werden. Stattdessen erneuerte Tauché seine Vision, das Bauloch an der Spitze künftig als See zu nutzen. Die Händelhalle soll demnach einen neuen Eingangsbereich mit Kolonaden und Gaststätten erhalten, davor soll ein kleiner See Besucher zum Verweilen einladen. Nutzen könnte man diesen "Hallsee" auch für die Händelfestspiele: "Wassermusik vor der Händelhalle", so die Vision Tauchés.

Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Jörg Weise vom Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg, gebürtiger Naumburger, der nach eigener Aussage einst in der Saale gebadet hat, brachte zunächst die Geschichte der Schifffahrt auf dem Fluss den Anwesenden ins Gedächtnis zurück. 981 sei die erste urkundliche Erwähnung der Saale als Schifffahrtsweg erfolgt. 300 Jahre später – 1281 – sei dann erstmalig die Saale-Flößerei erwähnt worden. Im Jahre 1366 entstand an dem Fluss die erste hölzerne Schleuse. 1854 nahm in Halle der Sophienhafen seinen Betrieb auf, der 1931 vom Hafen in Trotha abgelöst wurde. Was nur wenigen bekannt ist: zwischen 1894 und 1921 wurde wegen der starken Strömung auf der Saale eine Kettenschifffahrt eingerichtet. Und ab 1910 fuhr von Halle aus sogar eine Dampfseilschiff-Linie nach Berlin. Und auch die beiden fast fertig gestellten Kanäle in Merseburg und Halle-Neustadt erwähnte Weise. Aufgegeben hat er zwar die Hoffnung noch nicht, dass diese tatsächlich einmal in Betrieb gehen. "Aber es ist kaum anzunehmen", so Weise. Stattdessen legt er nun alle Hoffnung in den rund 7,5 km langen Schleusenkanal bei Tornitz, der das felsige und kurvenreiche Saalestück vor der Mündung umgehen soll. Die Unterlagen hierfür gehen laut Weise demnächst an das Landesverwaltungsamt. Das der Bau tatsächlich erfolgen wird, ist sich Weise mehr als sicher. "Wenn wir die Fläche nicht nutzen, dann wird es die Kiesgrube tun." Sollte der Kanal nicht gebaut werden, dann habe die Schifffahrt auf der Saale keine Zukunft.

"Grün tut der Saale nicht gut"

Manfred Sprinzek vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) konnte in der Diskussion seine politische Richtung nicht verbergen. "Rot und Grün waren schlecht für den Ausbau", sagte der Vereinsvorsitzende. "Grün tut der Saale nicht gut", steigerte sich Sprinzek immer weiter hinein. Die Saaleschifffahrt sei gut und umweltfreundlich, gerade in Zeiten des Klimaschutzes solle man dies bedenken. Die Wirtschaftlichkeit des Schleusenkanals sei zudem nachgewiesen. Mit einem Saale-Ausbau sieht Sprinzek auch goldene Zeiten auf den Hafen Halle zukommen. Bereits jetzt liege der Container-Umschlag höher als beim Hafen Magdeburg. "Und das, obwohl im vergangenen Jahr kein einziges Schiff angekommen ist", so Sprinzek.

"Der Kanalbau ist eine gigantische Steuergeldverschwendung"

Wenig angetan von den Ausbauplänen war Gesine Haerting (Bündnis 90 / Grüne). Denn immerhin soll die Schifffahrt auf der Saale nach dem Ausbau Fahrtiefen bis zu 2,50 m ermöglichen, während die Elbe die meiste Zeit des Jahres nur mit 1,60 m Tiefe befahren werden kann. Haerting befürchtet dadurch unter anderem einen Elbe-Ausbau durch die Hintertür. Auch andere Zuschauer beklagten den Ausbau. "Wollen Sie tatsächlich 80 Mio Euro für ein paar Schiffe bauen", so ein junger Mann. "Der Kanalbau ist eine gigantische Steuergeldverschwendung", so die Ausbaugegner.

Für die Veranstalter sollte es aber offenbar eine Jubel-Veranstaltung für den Ausbau werden. Und so wurden die Kritiker schnell "abgewürgt" und die Veranstaltung beendet. Befürworter des Ausbaus hatten zuvor immer wieder kritische Stimmen mit Zwischenrufen gestört und Kritiker als "dumm" bezeichnet. Auch Sätze wie "Die können nur blöd reden" und "studieren nur auf Staatskosten" waren zu vernehmen. Gern hätte man diese Stimmen auch komplett unterbunden. "Die hätte ich ausgeladen", war über Umweltschützerin Gesine Haerting aus dem Vereinsumfeld zu hören.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)