Verein zu Aufhebung Elbe-Ausbaustopp

Freitag, 09. Juli 2004, 11:03 Uhr

Verein zu Aufhebung Elbe-Ausbaustopp

Unternehmen hoffen auf Saale-Ausbau

Mitteldeutsche Zeitung
Stolpe: Reparaturen sichern Status quo

VON SILVIA BÜRKMANN, 07.07.04

Der Abstecher an den Elbkilometer 258 war nur ein kurzer; die anderthalb Stunden sind minutiös verplant: Eine kleine, aber wichtige Maßnahme wollte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am Mittwoch bei Roßlau auf den Weg bringen - die Wiederaufnahme der Instandsetzungsarbeiten an den Buhnen im Elbabschnitt von Roßlau zur Mulde-Mündung.

Auf den zwei Flusskilometern vom Anleger Roßlau bis zum Stromkilometer 260 sind 16 Buhnen zu reparieren. Nach dem Augusthochwasser 2002 wurden die Arbeiten gestoppt. Was folgte, waren zwei Jahre der Prüfung und Interessensabwägung zwischen Hochwasserschutz, Umweltverträglichkeit und Schiffbarkeit.

In Abstimmung mit den für Wasserwirtschaft und Naturschutz zuständigen Landesbehörden und unter Beteiligung des Biosphärenreservates Mittlere Elbe erweisen sich für das Bundesbau- und -verkehrsministerium die Unterhaltungsmaßnahmen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nunmehr als "hochwasserneutral". Am Mittwoch geht Stolpe noch einen Schritt weiter und sieht die Unterhaltungsmaßnahmen als zwingend notwendig an.

"Wir haben nicht mehr viel Zeit zu verlieren. In den zwei Jahren des Baustopps begann die Elbe bereits an den ersten Stellen zu verlanden."

Die Schiffbarkeit der Elbe auf dem "Status quo" vor dem Hochwasser aufrecht zu erhalten, dienen die nun wieder aufgenommenen Unterhaltungsarbeiten:

"Wir wollen die Elbe nicht ausbauen und nicht kanalisieren"

betont der Minister am Mittwoch vor den Sprechern von Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Bürgerinitiative Pro Elbe, die infolge der fortgesetzten Bauarbeiten Einengung und Eintiefung des Flusses befürchten.

Der Vor-Ort-Besuch der Baustelle zu Wasser war kurz, der Pressetermin im Anschluss noch kürzer. Gleichwohl nennt Dieter Haendel, Vizepräsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, den Ministerbesuch "ungeheuer wichtig":

"Unsere Bauarbeiter glaubten sich am Rande der Legalität. Jetzt hörten sie: Die Ministerien für Bau / Verkehr und Umwelt stehen hinter den Arbeiten."

Volksstimme 08.07.2004 Sachsen-Anhalt, News:

Minister Stolpe begrüßt Instansetzungsmaßnahmen Zweijähriger Baustopp an der Elbe ist seit gestern aufgehoben

Roßlau - "Es wurde höchste Zeit", kommentierte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) die Wiederaufnahme der Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe. Zwei Jahre nach dem hochwasserbedingten Baustopp drohe sie zu verlanden, davon hatte sich der Minister gestern während einer "Dienstreise" auf fünf Elbe-Kilometern rund um Roßlau überzeugt. Insgesamt 16 Buhnen, Bauwerke zur Regulierung des Flusslaufes, sollen auf dieser Strecke repariert werden. In den zurückliegenden zwei Jahren, so Stolpe, sei genau geprüft worden, welche Maßnahmen für den Hochwasserschutz und für die Beschiffbarkeit der Elbe nötig sind. Auf Grund der positiven Untersuchungsergebnisse hätten die für Naturschutz und Wasserwirtschaft zuständigen Behörden den Unterhaltungsmaßnahmen zugestimmt.

Umweltschützer dagegen kritisieren die Aufhebung des Baustopps an der Elbe.

"Es machen sich Bagger am Fluss zu schaffen, und die Leute wissen nicht warum"

beanstandet Ernst Paul Dörfler vom Elbeprojekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) die unzulängliche Aufklärung der Öffentlichkeit. Dörfler erinnerte gestern an die von Stolpe versprochene Transparenz im Elbe-Dialog.

Seitens der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost wurde dem Elbeschützer zugesagt, Einsicht in die Bau- und Prüfungsunterlagen zu erhalten. Es gäbe keinen Grund, sie zu verstecken, sagte Dezernatsleiter Detlef Aster und dass die Bauarbeiten unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte durchgeführt würden.

Die Naturschützer befürchten eine Eintiefung des Flusses von Torgau bis zur Saalemündung und damit ein Austrocknen der Elbauen. Das hätte gravierende Folgen für Flora und Fauna im Biosphärenreservat "Flusslandschaft Mittlere Elbe" und im UNESCO-Welterbegebiet Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

Von Kathrain Graubaum (VS)

BILD, 09.07.04

Verein hofft auf zügigen Saale-Ausbau

Halle - Baustopp aufgehoben ! An der Elbe wieder geschafft. Für den Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt ein "deutliches Zeichen" dafür, dass sich nun auch bei der Vollendung des Saale-Ausbaus etwas tut, um den seit 12 Jahren gestritten wird. Es geht's um die Errichtung eines Kanals zwischen Calbe und der Elbmündung. Die Eröffnung des Raumordnungsverfahrens steht unmittelbar bevor.

PRESSEMITTEILUNG

VHdS

Bundesverkehrsminister Stolpe gibt Startschuss für Wiederaufnahme der Unterhaltungsarbeiten an der Elbe Eröffnung des Raumordnungsverfahren für Vollendung des Saaleausbaus steht unmittelbar bevor

Der nach dem Augusthochwasser des Jahres 2002 verhängte Baustopp an der Elbe ist aufgehoben: Im Beisein vom Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Dr. Manfred Stolpe begann am 7. Juli 2004 die Instandsetzung von 16 Buhnen an einem fünf Kilometer langen Elbabschnitt bei Roßlau. Im Vorfeld waren umfangreiche Nachweise der Hochwasserneutralität der Unterhaltungsmaßnahmen erbracht worden. "Es wurde höchste Zeit", kommentierte Stolpe.

"Die Unterhaltungsarbeiten an der Elbe müssen so fortgesetzt werden, dass die Schiffbarkeit auf dem Status quo vor dem Hochwasser aufrechterhalten wird. Nach der Wiederaufnahme der Geschiebebewirtschaftung soll dies nunmehr auch für abgestimmte Strombaumaßnahmen in die Tat umgesetzt werden"

sagte Stolpe. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll bei Wittenberge in Brandenburg an der Elbe gebaut werden.

"Die Maßnahmen sind aus verkehrlichen Gründen dringend erforderlich. Sie stehen im Einklang mit der geltenden Rechtslage und sind mit den zuständigen Fachbehörden für Naturschutz und Wasserwirtschaft der Länder im Vorfeld abgestimmt"

teilte die Stolpe-Behörde mit.

Der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) wertet die Aufhebung des Baustopps als deutliches Zeichen der Bundesregierung, die Bedingungen für die Binnenschifffahrt endlich zu verbessern. Im kürzlich vom Bundestag verabschiedeten neuen Bundesverkehrswegeplan ist auch die Vollendung des Saaleausbaus festgeschrieben. Nach dem positiven Ergebnis der geforderten erneuten Prüfung der Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens steht nun die Eröffnung des Raumordnungsverfahrens zum Bau des so genannten Saale-Elbe-Kanals unmittelbar bevor.

Der nach 12jähriger Diskussion um den Saaleausbau entwickelte Schleusenkanal Tornitz ist ein gangbarer Kompromiss zwischen Ökononomie und Ökologie. Dazu gibt es einen breiten Konsens der politischen Parteien und der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt. Der rund acht Kilometer lange hochwasserneutrale, umweltverträgliche und wirtschaftliche Kanal soll das letzte Nadelöhr für die Transportschifffahrt zwischen Calbe und der Elbmündung beseitigen.

"Mit der Aufhebung des Baustopps an der Elbe muss auch der Startschuss für die Schiffbarkeit der Saale fallen"

fordert VHdS-Präsident Manfred Sprinzek.

"Die Wirtschaft an der Saale braucht endlich Planungssicherheit."

Alle nötigen Vorarbeiten seien erfolgt, nun müssten Tatsachen geschaffen werden.

Weitere Informationen unter:
www.saaleverein.de

PRESSEMITTEILUNG

VHdS

Unternehmen an der Saale begrüßen Aufhebung des Baustopps an der Elbe

Neue Hoffnungen schöpft die an der Saale ansässige Wirtschaft nach der gestrigen Aufhebung des Baustopps an der Elbe: Nun müsse auch die Vollendung des Saaleausbaus zügig in Angriff genommen werden, forderten die Mitglieds- unternehmen des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS).

Wie dringend viele Saaleanrainerunternehmen auf die Schiffbarkeit der Saale angewiesen sind, zeigt das Beispiel Schwenk Zement: Das in Bernburg ansässige Unternehmen transportiert derzeit wöchentlich rund 5000 Tonnen Zement und Klinker über die Elbe in Richtung Antwerpen, um die Baustoffe von dort aus weltweit zu verschiffen.

"Weil die Saale noch nicht schiffbar ist, müssen wir derzeit die Fracht mit Lkw bis nach Haldensleben bringen und können sie erst dort aufs Schiff verladen"

erklärt Werkleiter Uwe Müller. In den nächsten Wochen kämen noch Zusatzlieferungen Richtung Antwerpen hinzu, die die wöchentliche Transportmenge auf 10.000 Tonnen erhöhen.

"Das entspricht 500 Lkw, die pro Woche auf den Straßen zwischen Bernburg und Haldensleben unterwegs sind - das kann kein Umweltschützer wollen"

so Müller. Ganz abgesehen von den Kosten: Rund ein Drittel der Transportkosten entstehen allein durch den Straßentransport bis nach Haldensleben - für Schwenk Zement ein Minus für die Konkurrenzfähigkeit.

"Während die Nachfrage im Inland nach wie vor stagniert, gibt es in Asien, besonders in China, einen großen Bedarf an Baustoffen. Auf diese Aufträge sind wir angewiesen - und damit auf den Wasserweg"

schildert der Werkleiter. Zwei seiner vier Schiffsanlegeanlegestellen an der Saale hat das Unternehmen bereits aufwändig saniert, um den Fluss vor der Haustür sofort nutzen zu können… "…wenn der Ausbau nur endlich käme", hofft Müller. In einer ähnlichen Situation sind zahlreiche andere Unternehmen an der Saale, die schiffsaffine Güter produzieren bzw. umschlagen müssen (z.B. Esco, Kali+Salz sowie Solvay in Bernburg, Getreide- und Agrarhandel Halle, Recyclingunternehmen usw.): Nur wenn mittelfristig die wirtschaftliche Transportschifffahrt in die Kalkulationen einfließen kann, können diese Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleiben und damit Arbeitsplätze sichern bzw. schaffen.

Weitere Informationen unter:
www.schwenk.de
www.saaleverein.de

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)