Verkehrte Welt?!

Donnerstag, 18. Februar 2010, 21:11 Uhr

Verkehrte Welt?!

Leserbrief von Robert Montag

Da gibt ein Staatssekretär bekannt, dass die Elbe weiter unterhalten wird. Uferschutzbauwerke sollen repariert werden. Sandbänke in der Fahrrinne sollen an einzelnen Stellen abgebaggert werden. Der umweltfreundlichen Schifffahrt soll eine wirtschaftlich minimale Fahrrinnentiefe zur Verfügung gestellt werden. Nicht weniger als das, was schon die Rot- Grüne- Bundesregierung vor 8 Jahren beschlossen hat. Und schon gar nicht mehr. Keine Staustufen, keine Kanalisierung und kein Ausbau. Der normalste Zustand an einem frei fließenden Fluss. Einem Fluss, auf dem Schiffe fahren und an dem Menschen in einer Kulturlandschaft leben. Eigentlich überhaupt keine Meldung wert. Die Schilderung von 150 Jahren Normalität an der Elbe. 

Und doch beginnen reflexartige Rituale. Die professionellen Aktivisten aus der Umweltszene laufen Sturm. Ein Professor der Martin- Luther- Universität Halle- Wittenberg spricht in einer Gefälligkeitsstudie für den Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland(BUND) davon, dass nun das "Überleben" unseres Landes durch die Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe "gefährdet sei”. Es würde die Gefahr bestehen, dass nicht mehr „genügend atembare Luft, trinkbares Wasser, lebensermöglichendes Klima, verdaubare Nahrung und eine funktionsfähige Immunabwehr etc. produziert werden“. Der Professor und dieses Niveau scheinen in Deutschland im Jahre 2010 ernst genommen zu werden. Seine Äußerungen werden in vielen Zeitungen kritiklos abgedruckt. 
Auch der BUND- Elbe Chef Dr. Dörfler findet in den Zeitungen ausgiebig Gehör und kann sich in wüsten Beschimpfungen gegen die Wasserstrassenbehörde auslassen. Er gibt sich als Universalexperte aus, der allein und genau weiß, wie und warum Wirtschaftsgüter nicht mit dem Schiff von A nach B transportiert werden wollen und sollen. Niemand widerspricht ihm laut und deutlich. Verkehrte Welt?
   
Dies alles ist man mittlerweile gewöhnt, auch die unkritische Wiedergabe in den Medien. Dass allerdings nach der Bekanntgabe der Weiterführung von Elbe- Unterhaltungsaufgaben der Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) einen „Schulterschluss“ mit dem Bundesverkehrsministerium verkündet, berührt peinlich. Was ist der Grund für soviel Beflissenheit? 
Grüne Horrorszenarien zu Maßnahmen an Deutschlands Wasserstrassen bestimmen die Berichterstattung in den Medien und die öffentliche Meinung. Die Politik hat vor diesen Auseinandersetzungen Angst und meidet Entscheidungen. Dadurch werden an allen Flüssen in Deutschland seit Jahren Maßnahmen zur Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse verzögert und verhindert. Aus diesem Grund scheint die Wirtschaft sich mittlerweile verpflichtet zu fühlen, selbst einfachste Normalitäten der Politik euphorisch zu loben. Man traut sich an der Elbe nicht einmal mehr, laut und deutlich einen Ausbau bei Coswig in Sachsen- Anhalt, in der Stadtstrecke in Magdeburg und in der Reststrecke bei Dömitz zu fordern. Oder nur ganz leise. Ein Aufschrei und ein Machtwort von regionaler Wirtschaft und Politik, nun endlich den Saaleausbau zu vollenden - man lauscht vergebens. Statt dessen wird widerspruchslos hingenommen, dass an der Saale auch im Jahr 2010 weiter untersucht wird und das dadurch weiter verzögert wird. Seit 20 Jahren! Eine verschwindend kleine Anzahl radikaler Umweltschützer ist in der Lage, jegliche Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse an Elbe und Saale zu verhindern. Seit zwei Jahrzehnten! Verkehrte Welt?

In Frankreich baut man derweil nach kürzester Planungs- und Genehmigungszeit den 106 Kilometer langen Seine- Nord- Europa- Kanal für den Transport von 14 Millionen Tonnen Gütern per umweltfreundlichen Binnenschiff. Bis 2014 werden in nur vier  Jahren 7 Schleusen, 3 Kanalbrücken, 4 multimodale Hafenanlagen und 5 Sportboothäfen gebaut! Der Kanal Seine-Nord Europa wird wichtige Wirtschaftsregionen Frankreichs an die Seehäfen Antwerpen und Rotterdam sowie das belgische, niederländische und deutsche Wasserstraßennetz anschließen. Verkehrte Welt?

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