Von der Schiene aufs Wasser

Freitag, 20. März 2009, 17:57 Uhr

Von der Schiene aufs Wasser

EU-Kommission will Binnenschifffahrt stärker unterstützen

Neues Deutschland, 20.03.2009, Von Kay Wagner, Brüssel

Die EU will künftig die Binnenschifffahrt in Europa stärker fördern. Gütertransporte auf dem Wasser seien viel umweltschonender als auf der Schiene, der Straße oder in der Luft. Doch oberstes Ziel ist die bessere Vernetzung aller Transportmöglichkeiten.

Die europäische Binnenschifffahrt sieht sich gut aufgestellt, eine bedeutende Rolle in den Plänen der EU-Kommission für eine effiziente, nachhaltige und umweltschonende Gestaltung des Transportwesens in Europa einzunehmen. Bei entsprechenden Investitionen in den Ausbau der Flusswege, Kanäle und Häfen sei auf dem Wasser im Vergleich zu Schiene und Straße das größte und am schnellsten zu entwickelnde Potenzial zu sehen, hieß es auf einem Seminar, das die Europäisch Binnenschiffahrtsunion (Ebu) vor wenigen Tagen in Brüssel organisierte.

Die Hoffnung der Schiffer scheint durchaus begründet. Denn von nichts geringerem als einer Wende in der EU-Politik sprach Jonathan Scheele als Vertreter der Generaldirektion Transport und Energie der EU-Kommission, in deren Büros das Grünbuch zum transeuropäischen Verkehrsnetz (Tren-V) verfasst worden war. Anfang Februar hatte die Europäische Kommission dieses Grünbuch veröffentlicht. Bisher standen vor allem Schienenwege und Transport-Managing-Systeme im Mittelpunkt der Fördermaßnahmen, gestand Scheele. Ein Beispiel dafür ist der Teilabschnitt der Magistrale Paris – Bratislava in Baden-Württemberg mit dem Bau einer neuen Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl. Die Veränderungen der vergangenen Jahre zwängen jedoch zu einer Ausweitung der Prioritäten. »Für den Kampf gegen den Klimawandel, den die EU verfolgt, brauchen wir nachhaltige Lösungen im Transportwesen«, sagte Scheele. Und diese sieht die EU-Kommission in wachsendem Maße auf dem Wasser.

Denn durch Gütertransport auf Flüssen und Kanälen werde die Umwelt weit weniger belastet als auf den konkurrierenden Verkehrswegen Schiene und Straße. Das hatte erst eine Ende 2007 in Essen bei der Planco Consulting in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz angefertigte, breit angelegte Studie gezeigt.

»Transporteure sind keine Gegner«, sagte aber auch Godfried Smit vom Rat der Europäischen Schiffer (ESC). Er verwies damit auf die Notwendigkeit, im Sinne eines leistungsfähigen Transportnetzes in Europa die Stärken aller Akteure zu nutzen. Dazu gehöre auch, so Markus Bangen vom Hafen Duisburg, nicht nur die Wasserwege auszubauen, sondern auch die Binnenhäfen zu attraktiven Hubs – eine Art Umschlagplatz – für den Güterverkehr auszugestalten. Das Verladen von Waren vom Schiff auf Züge und Lastwagen und umgekehrt müsse besser als bisher organisiert werden. »Heute fährt ein Schiff im Hafen oft von einer Verladestation zur anderen – das ist unproduktiv und verschwendet unnötig Zeit«, klagte Bangen. Ziel müsse es sein, eine einzige Anlaufstelle für das Schiff zu haben, an der die Ware rasch gelöscht und effektiv auf Lkw und Züge umgeladen werden könne. In Duisburg sei man schon dabei, diese Pläne zu verwirklichen. Sollte sich das Grünbuch der Kommission in konkrete Programme umwandeln, könnten solche Projekte in Zukunft auch mit EU-Geldern mitfinanziert werden.

URL: www.neues-deutschland.de/artikel/145855.von-der-schiene-aufs-wasser.html

 

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