Von Dresden über Torgau bis nach Mombasa

Samstag, 09. Januar 2010, 12:12 Uhr

Von Dresden über Torgau bis nach Mombasa

Lokalgeschehen

Torgauer Zeitung, 9. Januar 2010,
Von Karl Jüngel

Die Elbe-schifffahrt hat gegenüber der Vorwendezeit einen völlig anderen Charakter angenommen.

 Nordsachsen (TZ). Betrachtet man nur die Anzahl der zurzeit verkehrenden Schiffe auf der Elbe, dann kommt man zu dem Schluss, sie hätte sich von Jahr zu Jahr drastisch verringert. Anders verhält es sich aber mit dem Wert der transportierten Güter. Früher waren es billige Kohletransporte aus Böhmen, die die längst abgebrochene Gaserei in Magdeburg belieferten. Im Gegenzug brachten die Schiffe im wertmäßigen Ausgleich Steinsalz von Schönebeck elbaufwärts in die Tschechoslowakei. Diese Produkte sind heute nicht mehr gefragt, Massengüter werden dagegen nur noch für die Landwirtschaft, Bauindustrie und teilweise für die Chemische Industrie benötigt. Außerdem hat sich der Transport mit Containern durchgesetzt, strikt nach Fahrplan verkehren die Spezialschiffe zwischen Riesa und Hamburg. Trotz der Wirtschaftskrise konnten die sächsischen Häfen mit einem leichten Umsatzplus das Jahr beenden.

Es kann konstatiert werden: Die Elbe-schifffahrt hat gegenüber der Vorwendezeit einen völlig anderen Charakter angenommen. Heute bestimmen sogenannte Projektladungen das tägliche Leben auf dem Strom. Darunter versteht man Windkraftanlagen, Turbinen, Generatoren, Brauereibehälter und sonstige Maschinenteile. Das sind Ladungen, die wegen ihren Abmessungen oder Gewichte weder mit Lkw oder Eisenbahn transportiert werden können. Vom Seehafen Hamburg aus treten sie dann ihre Reise rund um den Globus an.
Aus der tschechischen Republik gehören die Transitfahrten von seegängigen Frachtschiffen längst zum Landschaftsbild unserer Elbe. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 22 Überführungen von Küstenmotorschiffen, Gastanker, Seeschlepper und Fähren gezählt. Die Auftraggeber kamen meist aus Holland oder Belgien. Die Versicherungswerte dieser Ladungen bewegen sich oft im Bereich um fünf Millionen.

Dass auf der Elbe auch hervorragender Schiffbau betrieben wird, wurde jetzt von der Schiffs- und Yachtwerft Dresden bewiesen. Seit dem 10. November liegen zwei gewaltige knallrote Fähren am Ufer der Elbe in Dresden-Laubegast, die äußerlich unseren bekannten Gierfähren ähneln, bloß viel größer sind. Sie sind selbstfahrende RO/RO-Schiffe mit hydraulisch betätigten Rampen und für den afrikanischen Staat Kenia bestimmt.  Eingesetzt werden sie in Mombasa, der zweitgrößten Stadt des Landes. Wer die Verkehrsprobleme des Landes kennt, weiß, dass die Stadt durch den Fluss Nikuti geteilt ist und die meistbefahrene Verkehrsader (A14) über dessen deltaförmigen Mündungsgebiet führt.

Auf dieser etwa 500 Meter langen Verbindung zwischen den Ufern werden täglich 170 000 Menschen und mehr als 3000 Fahrzeuge befördert. Hochgerechnet auf ein Jahr sind das 72 Millionen Passagiere und 1,2 Millionen Fahrzeuge. Es sind zurzeit insgesamt sechs Fähren älteren Baujahrs im Einsatz. Sie gewährleisten auch den steigenden Transitverkehr mit den Nachbarländern wie Tansania und Somalia. Die Schiffs- und Yachtwerft Dresden hatte nach einer weltweiten Ausschreibung im Jahr 2007 den Neubau-Auftrag für diese zwei Fähren erhalten. Jetzt, nach 17 Monaten, werden noch die letzten Ausrüstungs- und Einrichtungsgegenstände installiert und erprobt. Danach werden beide Schiffe für die Überführung vorbereitet. Dazu muss der hochliegende Steuerstand zurück gebaut werden, um gefahrlos die 40 Elbbrücken passieren zu können.

So es die Witterungs- und Wasserverhältnisse zulassen, werden beide Schiffe an Schubschiffe andocken und die Reise via Torgau und Wittenberg nach Hamburg am 22. Januar 2010 in Dresden antreten.In Hamburg werden sie durch die Bremer
Schwerlastreederei BELUGA auf Seeschiffe verladen. Krane heben diese 540 Tonnen schweren Fähren auf ein Spezialschiff und die Seereise nach Kenia kann beginnen. Über die Überführung dieser Fährmonster wird TZ rechtzeitig informieren, denn das Spektakel der Vorbeifahrt auf der Elbe im Raum Torgau dürfte schon sehenswert sein.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)