Vor 150 Jahren: .Polizeiverordnung für das Vermieten der Kähne und Gondeln"

Dienstag, 15. August 2006, 23:38 Uhr

Vor 150 Jahren: .Polizeiverordnung für das Vermieten der Kähne und Gondeln"

SonntagsNachrichten stellt vor: Ereignisse aus der Heimatgeschichte SN - 13. August 2006 SONNTAGsNACHRICHTEN

Die Saale besaß für Halle schon seit alters her große Bedeutung als Verkehrsader sowie als Wirtschaftsfaktor für die einheimischen Fischer, Mühlen- und Kahnbesitzer. Schon im 17. Jahrhundert gestattete ein Privileg den Fischern, "mit Kähnen Leute auf der Saale spazieren zu fahren".

Im 19. Jahrhundert gewann mit zunehmender Erschließung der Gegend um Halle für den Fremdenverkehr auch die touristische Vermarktung des Flusses an Bedeutung. Ausdruck fand dies in der am 2. August 1856 veröffentlichten und
am 16. des gleichen Monats in Kraft getretenen "Polizei- Verordnung für das Vermiethen der Kähne und Gondeln ... zum Fahren von Personen auf dem hiesigen Saalstrome",
Unter anderen wurde in der acht Paragraphen umfassenden Verordnung festgelegt, dass "Gefäße, welche zum Fahren von Personen bestimmt sind, dürfen nicht eher und nicht anders zu solchem Zwecke gebraucht werden, als bis sie zur polizeilichen Prüfung vorgestellt und tauglich befunden sind; bis ihre Belastungsfähigkeit ermittelt und durch eine mit weißer Oelfarbe zu überstreichende Leiste außerhalb markiert ist. .. ",
Im Paragraph drei wurde bestimmt, dass "zum Fahren der Miethskähne und Miethsgondeln nur nüchterne, zuverlässige, des Kahnfahrens vollkommen kundige Personen" zugelassen werden. Auch die Strafen bei Zuwiderhandlungen wurden genau definiert und konnten mit bis zu drei Talern, mit Gefängnis oder sogar Konzessionsentzug im Wiederholungsfall geahndet werden.
Diese und weitere Bestimmungen dienten zweifellos vorrangig der Sicherheit der Touristen, zeigen aber auch, dass die Bootsvermietung damals schon zahlreichen Personen Arbeit bot. Bereits in alten hallischen Chroniken ist überliefert, dass die Salinebediensteten am Donnerstag nach Pfingsten mit Flößenund Kähnen zum Gesundbrunnen fuhren, um dann in der Böllberger Kapelle die Messe zu hören. Bootsfahrten auf der Saale gehörten spätestens seit der Universitätsgründung 1694 zum studentischen Leben.

 Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden jährlich anlässlich des Geburts- und Todestages von Friedrich Ludwig Jahn von der Turnerschaft begangene Jahn Ehrungen meist ihren Höhepunkt in einem Bootskorso zur Jahnhöhle. Bei dem seit 1846/47 jährlich am ersten Julitag veranstalteten Brunnenfest des Wittekind - Bades gehörte gleichfalls meist ein Bootskorso beziehungsweise eine Lampionfahrt zum geselligen Vergnügen. Auch bei vielen in Halle stattfindenden Kongressen und Tagungen zählte eine Bootspartie mit zum kulturellen Rahmenprogramm. Gondelfahrten bei schönem Wetter auf der Saale gehörten zu einem Besuch der Saalestadt einfach dazu. Und zahlreiche Gondelbesitzer lebten davon. So führte zum Beispiel die zeitweilige Einschränkung des Gondelbetriebes auf der Saale durch die Königliche Wasserinspektion zu Pfingsten 1914 auf Grund eines Hochwassers zu einer großen Aufregung unter den Gondelbetreibern, da diese geschäftliche Nachteile befürchteten.
Von Anfang an zählte ein Bootskorso auf der Saale neben dem Fischerstechen der Halloren und dem Feuerwerk auch zu den Bestandteilen des größten lokalen Volksfestes, des seit 1928 begangenen hallischen Laternenfestes.
Die noch heute praktizierte Idee, besonders schön gestaltete Festboote auszuzeichnen, hat dagegen ihren Ursprung im am 2. Juni 1912 erstmals auf der Saale durchgeführten Blumenkorso.

Dr. Walter Müller

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