Wasserstraßenkreuz Magdeburg-Hochdruck in der Wanne

Donnerstag, 03. April 2008, 09:11 Uhr

Wasserstraßenkreuz Magdeburg-Hochdruck in der Wanne

Größte Kanalbrücke der Welt wird herausgeputzt - Schiffe müssen Umweg nehmen

mz-web.de, von Christian Schafmeister, 02.04.08

Magdeburg/MZ. Entspannt sitzt Friedrich Koop in einem kleinen Besprechungsraum, direkt unter der Kanalbrücke. Das 918 Meter lange Bauwerk über ihm ist nach den ersten Eindrücken in gutem Zustand. Mehr als 135 000 Kubikmeter Wasser sind seit der vergangenen Woche abgelassen worden. Heute ist die so genannte Trogbrücke leer. "Wir haben bislang keine großen Schäden festgestellt", sagt der Chef des Magdeburger Wasser- und Schifffahrtsamtes sichtlich erleichtert.

Das sah vergangenes Wochenende noch anders aus. Als die Last des Wassers langsam nachließ, drohte das Bauwerk, das auf 90 Lagern ruht, sprichwörtlich "abzuheben". Messfühler meldeten Werte, die Experten Sorgenfalten auf die Stirn trieben. "Es bestand die Gefahr, dass sich die Brücke später nicht wieder exakt auf die Lager absenken würde", so Koop. Diese Befürchtungen zerschlugen sich aber, als die Konstruktion mit Hilfe mehrerer Stahltrossen nachgespannt werden konnte. "Das hat uns aber zwei Tage Zeit gekostet", sagt der Behördenleiter, "die Brücke ist jedoch ein Unikat, aus diesem Grund konnten wir im Vorfeld nicht üben". Der Zeitplan soll trotzdem gehalten werden.

Bis 30. April ist die längste Kanalbrücke der Welt vermutlich für die Schifffahrt gesperrt. Dies ist notwendig, um das Bauwerk fünf Jahre nach der Fertigstellung auf mögliche Schäden hin zu prüfen. Diese müssten jetzt noch von den damals am Bau beteiligten Unternehmen behoben werden, danach endet die Gewährleistung. Gearbeitet wird in der riesigen Wanne mit Hochdruck - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mehrere Hochdruck-Aggregate stehen bereit, damit die langen Seitenwände mit einem Wasserstrahl mit 400 bar gesäubert werden können. 150 Meter täglich kommen die Mitarbeiter einer Spezialfirma auf der fast einen Kilometer langen Strecke vorwärts. Parallel arbeitet sich ein Radlader mit zwölf rotierenden Düsen am Boden der Wanne voran.

500 000 Euro soll die gesamte Reinigung kosten. Der Einsatz der Technik, die auch zur Reinigung von Pisten auf Flughäfen verwendet wird, muss dabei genau dosiert werden. "Der Druck muss so stark sein, dass Wände und Boden sauber werden, doch darf der Farbanstrich dabei nicht beschädigt werden", erklärt Koop. Rund 6 000 Kubikmeter Wasser und Ablagerungen werden stündlich abgesaugt. Doch erste Schätzungen, nach denen bei der Reinigung rund 500 Tonnen Algen und Muscheln anfallen, waren vermutlich zu hoch. Was später aus all dem wird, ist noch unklar. "Proben werden zeigen, welche Stoffe enthalten sind, davon hängt dann ab, wie die Entsorgung laufen muss."

Großen Druck gibt es derweil auch an den beiden fast 40 Meter breiten Absperrwänden. Diese trennen die Wanne vom Mittelandkanal auf der einen und der Schleuse Hohenwarthe auf der anderen Seite. "Dabei wirken 320 Tonnen Last auf die Trennwände", erklärt der Chef des Magdeburger Wasserstraßenneubauamtes, Henrik Täger. Die Kraft nutzen die Fachleute dabei für ihre Zwecke. So drückt das Wasser die Dichtungen, die zwischen den Teilen der Absperrwand stecken, automatisch zusammen. "Man darf halt nie gegen, sondern immer nur mit dem Wasser arbeiten."

Für die Schifffahrt auf der Strecke zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin bedeutet die Sperrung des 500 Millionen teuren Kanals indes Einschränkungen. So müssen Kapitäne am Wasserstraßenkreuz (siehe Grafik) einen mehr als zwölf Kilometer langen Umweg über die Elbe und die Schleuse Niegripp nehmen. Viele Reedereien hätten sich auf die Situation jedoch eingestellt und teils Fahrten verschoben. Und Koop versucht, gute Stimmung zu verbreiten. "Die nächste Überprüfung steht erst in sechs Jahren an, und da kommen wir möglicherweise auch nur mit Tauchern aus."

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