Wie Brummis schwimmen lernen

Donnerstag, 11. August 2005, 12:07 Uhr

Wie Brummis schwimmen lernen

Financial Times Deutschland vom 17.06.2005

Wie Brummis schwimmen lernen

von Sönke Gäthke

Politiker und Umweltverbände fordern seit Jahren, den Lkw-Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Bislang ohne Erfolg. Jetzt soll das Schiff einspringen: Lastwagen sollen statt Autobahnen lieber Flüsse und Kanäle nutzen.

Über Fluss, Meer und Kanäle wollen europäische Ingenieure künftig Laster vom Kontinent nach Skandinavien fahren lassen - und so die Autobahnen entlasten. Platz ist Mangelware auf dem neuen Schiff. Das Intermodeship, so der offizielle Name des Projektes, soll zwischen Duisburg und dem Vänernsee in Mittelschweden pendeln. Diesen See kann das Schiff aber nur erreichen, wenn es durch den Göta - Kanal fährt; eine schmale Wasserstraße mit vielen Schleusen und Brücken. Das setzt der Schiffsgröße enge Grenzen: ganze 88,5 Meter darf es lang sein, und nur 13,4 Meter breit. Sonst passt es nicht in die Schleusen.

"Das Schiff ist quasi in eine Nische hinein konstruiert worden" sagt Andreas Gronarz vom Duisburger Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme. Gemeinsam mit Partnern aus Schweden und Holland haben die Duisburger das kleine Fluss-See-Fährschiff entwickelt. Damit 48 Lkw-Hänger an Bord Platz finden, haben die Ingenieure den Antrieb neu ausgelegt. Bislang sitzt der Dieselmotor eines Schiffes im Heck und treibt über eine Welle die Schiffsschraube an. Aber, so Gronarz, "da wollten wir die Trailer hinpacken. Denn nur Ladung bringt Geld." Der Motor musste also aus dem Heck verschwinden; und die Verbindung zwischen Diesel und Schraube musste platzsparender konstruiert werden als mit einer massiven Welle.

Die Entwickler der neuen Fähre kamen daher auf die Idee, dem Schiff einen dieselelektrischen Antrieb zu geben. Dabei produziert ein Dieselgenerator Strom; Elektromotoren treiben dann die Schrauben an. Die Motoren wanderten in den Bug des Schiffes, "weil dort die Außenhaut spitz zulaufen muss, und da passen Trailer nicht hinein ", sagt Gronarz.

Kraft aus vier Motoren

Weil konventionelle Schiffsdiesel kaum in den schmalen Bug gepasst hätten, hatten die Forscher eine andere Idee: Statt zweier großer Motoren setzen sie vier kleine ein. Diese haben in den Augen von Andreas Gronarz einen entscheidenden Vorteil: Die Antriebsanlage lässt sich besonders gut regulieren: Auf hoher See laufen alle vier Motoren, im Kanal oder auf dem Rhein dagegen nur zwei - bei Bedarf auch mal drei. Auf diese Weise arbeiten die Motoren immer mit dem besten Wirkungsgrad, sind sparsamer und erzeugen weniger Abgase.

Um den Platz so gut wie möglich zu nutzen, sollen statt ganzer Lkws nur die Anhänger befördert werden. Die Zugmaschinen bleiben zurück; die Fahrer auch. Das spart Kabinen. Die Hänger werden auf vier Decks gefahren, und zwar so eng, dass zwischen ihnen kaum ein Mann hindurch passt. Damit sich die Gefährte beim Einladen nicht berühren, wollen die Ingenieure auf den Decks niedrige Trennwände anbringen. Die Trailer werden dann in regelrechte Fächer geschoben. So passen trotz der engen Maße 48 Hänger auf das Schiff.

Florian Schwarz vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund hält die Idee für interessant. "Es ist ein sehr einfaches System: Man braucht nur eine Rampe und keinen Kran. Das kann sich lohnen." Ob die Entwicklung ein Erfolg wird, hänge von den Fahrpreisen und der Reisedauer ab. Andreas Gronarz und das Forscherkonsortium sind zuversichtlich: Nach ihren Angaben hat sich bereits eine Reederei gefunden, die mit sechs Schiffen einen Linienverkehr zwischen Duisburg und Schweden betreiben will.

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