Windräder auf der Elbe

Dienstag, 03. April 2007, 12:07 Uhr

Windräder auf der Elbe

vom Karl Jüngel 28.03.2007

Weitere Projektladungen auf der Elbe oder Windräder auf der Elbe

Alles was einmalig, unhandlich, sperrig und manchmal sehr schwer ist, wird bei Spediteuren als Projektladung bezeichnet. Eben diese eigenartigen Projektladungen verkehren jetzt zunehmend auf der Elbe, weil die Transportkosten auf dem Wasser erheblich billiger als auf der Straße und außerdem risikoloser und umweltschonender sind. Seit Ende des Jahres 2006 durchfahren deshalb in bestimmten Abständen Schubschiffe, beladen mit Windradflügeln, die Elbe im Landkreis Wittenberg.

Hergestellt werden diese 44 Meter langen und ca. 10 t schweren Rotorblätter bei Lauchhammer im Spezialbetrieb Vestas Blades Deutschland GmbH. Die Aufgabe der Verkehrslogistiker bestand darin, eine optimale Transporttechnologie für diese unhandlichen Teile zu finden, sind sie doch ausnahmslos für Empfänger im Mittelmeerraum (Spanien, Frankreich und Griechenland) bestimmt. Sehr schnell wurde der Schiffstransport als Vorzugsvariante und nebenbei als einzige gangbare Lösung gefunden. Das Seeschiff von Hamburg bis zum Mittelmeer gehört zum normalen Geschäft, der Transport auf der Elbe lässt sich, abgesehen von extremen Niedrigwasser, lösen. Bleibt die Frage, wie von Lauchhammer zur Elbe. Der Hafen von Dresden verfügt zwar über geeignete Umschlagmittel, aber die Fahrt durch Dresden erforderte immer erheblichen logistischen Aufwand und damit Zusatzkosten. Die Häfen in Torgau und Riesa schieden aus andere Gründen aus.

Jetzt geht man einen Schritt weiter und ertüchtigt eine stillgelegte Kiesumschlagstelle in Mühlberg (Land Brandenburg). Die ersten 90 Rotorblätter wurden bereits probeweise dort verladen und nach Hamburg oder Brunsbüttel auf die Reise geschickt. Hier wartet ein Seeschiff auf weitere Teile, wie Ständer, Getriebe und Generatoren. Die Prognose sagt 1000 Rotorblätter pro Jahr voraus, 300 Stück sind es derzeit. Ein Schubprahm kann 12 Stück, in Spezialgestellen (ähnlich Container) verpackt, aufnehmen. Meist werden 2 Prahme gleichzeitig geschoben.

Aus vier Gründen hat man sich für die kleine brandenburgische Stadt entschieden, denn:

1. ist der Straßentransport nach dem nur 40 km entfernten Mühlberg günstiger als nach Dresden

2. bereitet die Fahrt durch Dresden wegen der höheren Verkehrsdichte einen ungleich höheren Aufwand

3. wird der Wasserweg kürzer, was einer Einsparung der Transportzeit von einem Tag entspricht

4. ist bei niedrigen Wasserständen der Elbe die Fahrt von Mühlberg sicherer als vom sächsischen Dresden.

Karl Jüngel, Kleinwittenberg,den 28.03.2007 karl.juengel@arcor.de

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