Wirtschaft drängt auf den Bau des Saalekanals

Mittwoch, 28. Dezember 2005, 11:13 Uhr

Wirtschaft drängt auf den Bau des Saalekanals

Binnenschifffahrt – ZfB – Nr. 12 – Dezember 2005

Die FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt lud zum Gespräch nach Bernburg ein

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Veit Wolpert, hatte beim “Gesprächsabend Wirtschaft” am 2. November Vertreter der Binnenschifffahrt und der Wirtschaft an der Saale nach Bernburg eingeladen.

Thema des Tages war die Zukunft der Binnenschifffahrt im Land Sachsen-Anhalt und speziell in der Elbe-Saale-Region. In verschiedenen Vorträgen, die im Steinsalzwerk der esco stattfanden, und in der anschließenden Diskussionsrunde forderten Vertreter der Binnenschifffahrt und regional ansässige Unternehmer die Wiederaufnahme der Strombaumaßnahmen an Elbe und Saale, wie es der Bundesverkehrswegeplan vorsieht.

Die lokalen Geschäftsführer von Schwenk Zement, Solvay und esco (Steinsalzwerk) drängen auf den Bau des Saalekanals, der eine Schiffbarkeit der Saale für größere Lastkähne ermöglichen würde. Die transportierten Mengen, die von der Straße auf das Wasser verlagert werden könnten, sind enorm. Beide Werke würden allein jeweils 250.000 Tonnen jährlich auf die Saale bringen, wenn dies möglich wäre. Hinzu kämen noch einmal 700.000 Tonnen vom Steinsalzwerk. Das würde zigtausend LKWTransporte auf der Straße ersparen, rechnen die Experten vor. Uwe Müller, Werkleiter der Schwenk Zementwerke in Bernburg, schilderte die derzeitige Situation. Per LKW würden 150.000 Tonnen jährlich zum Mittellandkanal nach Haldensleben gebracht und dort verschifft. Der LKWTransfer mache dabei allein 40 Prozent der Gesamttransportkosten aus, die wiederum gut 25 Prozent der Gesamtproduktkosten einnehmen. Ein unhaltbarer Zustand, so Müller, wenn man bedenke, dass sich direktvor der Haustür ein Fluss befinde.

Peter Jebe, Geschäftsführer des Solvay-Werkes und Nachbar von Müller, hat ähnliche Probleme. Ein Test mit einem Frachtschiff ergab bei derzeitiger Saale-Befahrbarkeit eine maximale Beladung von 400 Tonnen, rentabel seien aberTransporte von etwa 1000 Tonnen pro Schiffsladung.

Allein die Realisierung einer besseren Schiffbarkeit der Saale scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Man musste dem Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg für seine Ehrlichkeit schon fast dankbar sein, als er die Zeiträume nannte, in denen sich nach heutigem rechtlichen Stand ein solches Projekt eventuell umsetzen lassen könnte. Frühestens 2008 könne mit dem Raumordnungsverfahren begonnen werden. Danach käme das Planfeststellungsverfahren. Außerdem müsse man mit zahlreichen Klagen von Anwohnern und Umweltschützern rechnen, die den Prozeß vielleicht weiter verzögern. „Man müsse eben die rechtliche Schiene abarbeiten“,so der Vertreter vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Insgesamt also zeitliche Perspektiven, die für Unmut und Unverständnis im Saal sorgten. Sollte es tatsächlich noch solange dauern, bis es zu einer Verbesserung der Transportsituation komme, stehe es in Frage, ob der Markt in Europa weiter von Bernburg aus bedient werden könne, sagte Schwenk-Betriebsleiter Uwe Müller klipp und klar. Auch der anwesende Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Dr. Horst Rehberger (FDP), stellte fest, dass man sich ein solches Tempo, bei dem Baumaßnahmen erst in ein oder zwei Jahrzehnten realisiert werden könnten, nicht mehr leisten kann. „Dank des aktuellen Planungsrechtes“, so Rehberger, „werden solche Verfahren durch die Jahre geschleppt“. WirtschaftsministerHorst Rehberger und FDP-Fraktionsvorsitzender Veit Wolpert versprachen den Binnenschiffern und Unternehmern die volle Unterstützung der Liberalen. Man werde sich besonders im Bund dafür einsetzen, dass notwendige Realisierungsplanungen wie zum Saalekanal sowie die Strombaumaßnahmen zügig vorangebracht und entsprechende Verfahren gestrafft werden.

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