Wirtschaftliche Wasserwege werden gebraucht

Sonntag, 28. Mai 2006, 15:27 Uhr

Wirtschaftliche Wasserwege werden gebraucht

Artikel in Binnenschifffahrt 04-2006 zur Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen des VHdS

Wirtschaftliche Wasserwege werden gebraucht

“Es wurde viel bewegt”, lautete das Motto der Jubiläumsveranstaltung zum 10jährigen Bestehen des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), die im selben Saal der IHK Halle-Dessau stattfand, in dem auch die Gründungsveranstaltung 10 Jahre zuvor abgehalten worden war. Der Beiratsvorsitzende des VHdS, Uwe Müller, gleichzeitig Werkleiter der Schwenk Zement AG Bernburg, begrüßte ganz besonders den Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, der sich stets für die Ziele des VHdS und die Verbesserug der Schifffahrtsbedingungen von Elbe und Saale eingesetzt hat.

Müller selbst betonte den dringenden Bedarf der Wirtschaft an der Saale und ihrem Hinterland nach mehr Mobilität im Gütertransport per Schiff. Als Beispiel nannte er sein eigenes Werk, das jährlich große Mengen Zement ab Werk per Schiff zu fahren habe, aber jährlich 220 000 Tonnen per Lkw nach Haldensleben vorfahren muss, weil die Schiffe erst von dort an wirtschaftlich verkehren können. Pro Tonne verteuert sich dadurch der Transport um sechs Euro.

Licht am Ende des Tunnels

Der Präsident der IHK Halle-Dessau, Albrecht Hatton, sagte: "Licht am Ende des Tunnels für eine ganzjährige Schiffbarkeit der Saale" sieht der Präsident der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau(IHK), Albrecht Hatton. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt e.V. (VHdS) verwies Hatton auf die Verdienste des Vereins: "Das beim Saaleausbau zunehmend wieder Zusammenhänge mit Sachargumenten erklärt werden und eine entsprechende Aufklärung der Öffentlichkeit erfolgt, ist ein Verdienst des Vereins. So war es möglich, dass der Saaleausbau als vordringliches Projekt weiter im Bundesverkehrswegeplan steht". Mit der Antragskonferenz zum Raumordnungsverfahren für den Saale-Seitenkanal im Dezember 2004 sei dabei ein wichtiges Etappenziel erreicht worden. Als für die Wirtschaft unverzichtbar sieht Hatton aber weiterhin "die Vollendung des Saaleausbaus zwischen Halle-Trotha und der Saale-Mündung, die Regulierung der Elbe durch Instandsetzung von Buhnen und Deckwerken sowie die Aufweitung des Nadelöhrs am Magdeburger Domfelsen" an. Dass die Wirtschaft neben leistungsfähigen Straßen und Schienen auch die leistungsfähigen Flüsse Saale und Elbe braucht, zeige die von über 60 großen Unternehmen getragene Arbeit des Vereins. "Als Interessenvertreter der Wirtschaft werden sich auch zukünftig der Verein und die IHK Halle-Dessau gemeinsam für leistungsfähige Wasserstraßen in Mitteldeutschland einsetzen", erklärt der IHK-Präsident weiter.

Wasserwege SachsenAnhalts ertüchtigen

“Dass über Wasserstraße und Binnenschiffin unserer Region in den letzten Jahren vermehrt gesprochen und diskutiert wurde, liegt nicht nur an den von dem Hochwasser 2002 geprägten Entscheidungen zu Maßnahmen an Flüssen im allgemeinen, sondern ist auch gerade bei demThemenkomplex zur Ertüchtigung der Saale der unermüdliche Verdienst des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt, dessen 10jähriges Bestehen heute gefeiert wird und auch gebührend gewürdigt werden soll - jasogar gewürdigt werden muss!”, hob Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre hervor. Und betonte an anderer Stelle: “Unbestritten ist insbesondere die Notwendigkeit, marktgerechte Angebote zur stärkeren Nutzung der umweltverträglicheren Verkehrsträger Schiene und Wasserwege zu schaffen. Während bundesweit der Anteil der Binnenschifffahrt am Güterverkehrsaufkommen 6,3% beträgt, sind es in Sachsen-Anhalt 2,2%. Die allerdings sind noch ausbaufähig, wenn gerade auf Elbe und Saale verlässliche Transportbedingungen herrschen würden. Ein weiterer Schub für die Binnenschifffahrt wird indes sicher sein.

”Daehre betonte, dass die EU enorme Fördermittel für Investitionen in Binnenschifffahrt und Wasserstraßen bereitgestellt hat. Während Deutschland in acht Jahren keinen Euro bei der EU beantragt habe, hat Frankreich 1,2 Milliarden erhalten.“

Die Europäische Kommission hat im Januar dieses Jahres mit ihrer Mitteilung "Integriertes Europäisches Aktionsprogramm für die Binnenschifffahrt" (NAIADES) zur Förderung der Binnenschifffahrt die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Wirtschaft, den Verkehr und die Umwelt ein weiteres Mal dargestellt. Der Bezug der aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnung dieses Programms (NAIA-DES) zu den Najaden finde ich gelungen, denn diese sind in der griechischen Mythologie Süßwassernymphen, die über Flüsse, Teiche, Quellen, Seen und Sümpfewachen. Die Vorteile des Systems Binnenschifffahrt/ Wasserstraßen liegen auf der Hand und werden allseits auch anerkannt.

Angesichts der im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2003 erstellten Güterverkehrsprognosen wird für die Binnenschifffahrt die Chance gesehen, mit einer intelligenten Kombination der Verkehrsträger die genannten Vorteile des Binnenschiffs einzubringen und an bestimmtenTransportketten mitzuwirken. Die Erfahrungen im Containerverkehr und bei Projektladungen haben gezeigt, dass sich die positiven Eigenschaften des Binnenschiffs mit denen der anderen Landverkehrsmittel so verknüpfen lassen, dass für den Kunden günstigere Konditionen entstehen als beider Nutzung nur eines Verkehrsmittels.

Der Verkehr kann also durch die Binnenschifffahrt effizienter, zuverlässiger und umweltfreundlicher gestaltet werden.” Daher sei es erforderlich, an der Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen von Elbe und Saale weiter zu arbeiten. Auch unsere tschechischen Nachbarn hätten ein Recht darauf, die Elbe als Verkehrsweg wirtschaftlich nutzen zu können. “Die ganzjährige Schiffbarkeit muss gesichert werden. Es gehe auch darum, die Saale an das eurpäische Wasserstraßennetz anzuschließen.” In diesem Sinne wünschte Daehre dem VHdS immer eine gute Hand dafür, die Verkehrsinteressen der Wirtschaft an der Saale vor der Politik nachdrücklich zu vertreten.

Schiffsverkehr sichert Arbeitsplätze

Alle Redner betonten das besondere Verdienst des Präsidenten des VHdS, Manfred Sprinzek, für das bisher Erreichte in Bezug auf die Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen und besonders dafür, durch die unermüdliche Arbeit des Vereins, den Saale-Seiten-Kanal auf den Weg gebracht zu haben. Er selbst betonte in seinem Schlußwort: und bezog sich auf die Losung des früheren Vereins der Saale. und Unstrutschiffahrt von 1869: „Wo Wasser zur See fließt, ohne Lasten getragen zu haben, da ist ein volkswirtschaftlicher Fehler begangen.“

Deshalb forderte er, das Raumordnungsverfahrenfür den Saale-Seiten-Kanal zügig zum Abschluß zu bringen. Die Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe seien im Sinne des BWVP von 1993 so aufzunehmen, dass in drei bis vier Jahren die festgelegten Parameter erreicht würden. Sprinzek betonte abschließend: “Der umweltfreundliche, kostengünstige Schiffsverkehr auf Saale und Elbe sichert Arbeitsplätze und schafft tausende neue Stellen. Die Saale-Elbe-Region hat Zukunftspotenziale! Die Umweltbelange können zufrieden stellend gelöst werden. Ideologie und Engstirnigkeit sind kein Naturschutz, sondern Naturschaden. Nur konstruktive Zusammenarbeit bringt die Umwelt voran.” c.k.

Originalartikel in Binnenschiffahrt, 04-2006

Dateien:
binnenschiffahrt_ZfB_4-2006.pdf473 K

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