Wissenschaftshafen: Europas letzter Kettendampfer beim "Probeankern"

Montag, 08. Oktober 2007, 13:52 Uhr

Wissenschaftshafen: Europas letzter Kettendampfer beim "Probeankern"

Volksstimme.de, 08.10.2007, von Karl-Heinz Kaiser

 Rückkehr der " Gustav Zeuner " in der heißen Phase / Standort vorbereitet, Start am 24. Oktober / Per Computer :

Die Elbestadt Magdeburg arbeitet zunehmend ihre lange und außergewöhnliche Schifffahrtstradition mittels handfester Zeugen der Vergangenheit auf. Zum Raddampfer Württemberg und der Schiffmühle am Westufer gesellt sich ein Schiffsmuseum – die " Gustav Zeuner ". Europas letztes Kettenschiff wird dafür seit einem Jahr von der Gise restauriert.

Buckau / Alte Neustadt. Die Restaurierung von Europas letztem erhalten gebliebenen Kettendampfer geht in diesem Monat in die heiße Phase. Am 24. Oktober ist im Wissenschaftshafen offizieller Start der Montage des im Vorjahr geborgenen und in 15 Sektionen zerschnittenen Rumpfes der " Gustav Zeuner".

Nach der Aufarbeitung der ersten 11 Segmente werden diese vor Ort zusammengesetzt. Die Fundamente stehen bereits, sagte Dr. Reinhard Kuhne, Geschäftsführer der Gise. Ist der 53 Meter lange Rumpf auf der östlichen Seite des Handelshafen-Beckens zusammengesetzt, wird der Kettendampfer vollständig, mit sämtlichen Decksaufbauten, restauriert und ( wie die Württemberg ) an Land aufgestellt werden. 70 Zentimeter Luft bleiben unter dem " Kiel ".
Auch eine Dampfmaschine wird eingebaut, ist hinter Plexiglas zu bewundern.

Mit der von der Arge Jobcenter und der Gise übernommenen Schiffsrestaurierung werden zwei gesellschaftliche Anliegen verfolgt : Im Verlaufe der Arbeiten sollen ALG-II Empfänger die Chance bekommen, wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Für die Elbestadt wird ein touristischer Anziehungspunkt vervollkommnet. Unmittelbar neben der historisch wertvollen Hubbrücke – es ist eine kleinere Variante des technischen Meisterwerks über der Stromelbe – wird ein einmaliger Zeuge der Kettenschifffahrt installiert und Besuchern zugänglich gemacht. In unmittelbarer Nähe sind bereits weitere Zeugen der Elbeschifffahrt bzw. der Unterhaltung der Wasserstraße angesiedelt worden.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat auf Initiative ihres damaligen Leiters, Rolf Lack, einen Taucherschacht und einen Eimerkettenbagger beigesteuert. Magdeburg will auch damit seine Tradition unter dem Motto Leben und Arbeiten am Strom weiterhin sichtbar gestalten. Am Westufer ist die historische Schiffmühle interessantes Wahrzeichen, einmalig sind Hubbrücke, Raddampfer Württemberg und das Schiffshebewerk. Um den Erhalt des großen Schiffsfahrstuhls kämpft die Stadt. Zur Geschichte der " Gustav Zeuner " : Sie wurde 1894 gebaut, war bis 1931 der Stolz der Ketten-Flotte auf der Elbe in Magdeburg, danach Badeanstalt und Gaststätte und schließlich fast nur noch ein Haufen Schrott auf einem Grundstück am Salbker See. Im Januar 2006 wurde dort der Rumpf der " Gustav Zeuner " in Teile zerlegt und in Werkhallen in der Schwiesaustraße später in den Hauptsitz der Gise, Sandbreite, gebracht. Bis 2010 wird es noch dauern, den Dampfer als Museumsschiff herzurichten, korrigiert Gise-Chef Dr. Kuhne früher datierte Termine. Zu gewaltig sei die Aufgabe, sagen er und sein Abschnittsleiter, Harry Warzecha. Das Projekt wird unter Kennern als einmalig gehandelt. Das Schiff war nicht nur das letzte jener Elbe-Flotte, die sich zwischen Hamburg, Magdeburg und dem tschechischen Melnik an einer auf dem Flussgrund verlegten 730 Kilometer langen Kette stromauf " hangelte ". Es soll sich europaweit um den einzigen erhaltenen Kettenschiffsrumpf handeln. Sein originalgetreuer Wiederaufbau wird auch vom Können der Techniker und Handwerker im heutigen Magdeburg Zeugnis ablegen.

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