Zu klein für die großen Binnenpötte

Freitag, 02. Februar 2007, 17:12 Uhr

Zu klein für die großen Binnenpötte

Landeszeitung für die Lüneburger Heide, 02.02. 2007

Landrat Manfred Nahrstedt fordert Ausbau des Schiffshebewerkes in Scharnebeck - Instandsetzung geplant

dth Scharnebeck. Der Elbe-Seitenkanal gewinnt als Bundeswasserstraße an Bedeutung. Das belegen die Zahlen zum Güterverkehr der vergangenen Jahre vom zuständigen Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA) Uelzen. Doch das Schiffshebewerk in Scharnebeck stößt langsam an seine Grenzen: Die Schleusentröge sind für moderne Großmotorschiffe schon jetzt zu klein.

Deshalb forderte Landrat Manfred Nahrstedt bei seinem Berlin-Besuch vor wenigen Tagen beim Bundesverkehrsministerium den Ausbau des Schiffshebewerkes. Doch für das Aufstocken der Anlage wäre ein teurer Neubau notwendig, sagen die zuständigen Behörden - das Geld dafür will der Bund allerdings nicht bereitstellen. Stattdessen laufen jetzt die Planungen für die Grundinstandsetzung ab 2009 an. Allein dafür sind 40 Millionen Euro vorgesehen.

Der Trend ist klar: "Der Containertransport über die Wasserstraße nimmt zu", bestätigt Tillmann Treber von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Mitte in Hannover. Im Jahr 2006 wurden 63 000 TEU (Twenty foot Equivalent Unit; entspricht je einem 20 Fuß langem Container) über den Elbe-Seitenkanal verschifft. Insgesamt 8,25 Millionen Gütertonnen gingen durch das Schiffshebewerk. Doch das Nutzpotential der Scharnebecker Höhenüberbrückung stößt an seine Grenzen. Großmotor- oder Europaschiffe mit etwa 110 Metern Länge haben nicht genug Platz in den Transporttrögen des Hebewerkes. Bei einer Nutzlänge von 100 Metern ist derzeit Schluss.

Doch Nahrstedt will weiter auf der wachsenden Transportwelle schwimmen. "Die Kapazität des Elbe-Seitenkanals muss ausgebaut werden", sagt der Verwaltungschef, fordert "einen neuen, größeren Trog für das Schiffshebewerk". Sein Anliegen trug der Landrat im Bundesverkehrsministerium vor. Doch die Reaktion in Berlin zu einem Ausbau des Schiffshebewerkes ist verhalten und technisch begründet: Der Einbau eines größeren Troges sei statisch nicht machbar, heißt es.

Für den Landrat ein vorgeschobener Grund, um hohe Kosten abzuwehren. Was er nicht versteht: "Die Schleuse in Uelzen wird nach modernen Gesichtspunkten ausgebaut, in Scharnebeck hingegen passiert nichts", sagt Nahrstedt.

Und auch Iris Grasso, Pressesprecherin der WSD, bestätigt: Sinnvoll sei die Uelzener Schleuse nur für so genannte Schuber, gekoppelte Schiffsverbände auf 185 Meter Länge, die in Uelzen im Stück, in Scharnebeck sogar noch in Modulen abgefertigt werden. Hingegen können 110 Meter lange Europaschiffe die Schleuse in Uelzen problemlos passieren, nur in Scharnebeck ist dann Schluss. "Aber das wissen die Schifffahrtsverbände, planen Umwege, etwa über die Elbe bei Magdeburg oder über das westdeutsche Kanalnetz", erklärt Grasso. Aber ein Ausbau des Hebewerkes sei eben technisch nicht machbar, meint auch Treber: "Einen größeren Trog trägt die Scharnebecker Konstruktion nicht." Dafür müsste ein Neubau her. Groben Schätzungen zu Folge wären dann mehr als 150 Millionen Euro fällig.

Stattdessen stehen jetzt für 40 Millionen Euro größere Grundinstandsetzungsmaßnahmen an, erklärt Projektleiter Treber: "Es werden Seile und Umlenkrollen gewechselt, Tore und Motoren erneuert." Die Vorplanungen haben jetzt begonnen für die auf sechs Jahre, ab 2009, in drei Abschnitten angelegten Baumaßnahmen.

Technische Daten und Fakten

Das Schiffshebewerk Scharnebeck hat eine Hubhöhe von 38 Metern, überbrückt damit den größten Teil des 61 Meter Höhenunterschieds zwischen Elbe und Mittlellandkanal. Die restlichen 23 Meter entfallen auf die Schleuse bei Uelzen. Die nutzbare Länge der beiden Wassertröge des Hebewerkes beträgt 100, die Breite 12 Meter. Die Wassertiefe im Trog beläuft sich auf rund 3,40 Meter - bei den geplanten Instandsetzungsmaßnahmen könnte die Tiefe um zirka zehn Zentimeter erweitert werden. Das Gesamtgewicht eines mit Wasser gefüllten Troges beläuft sich auf 5800 Tonnen, das Gesamtgewicht der beweglichen Teile des Hebewerkes auf rund 11 800 Tonnen. Jeder der zwei Tröge wird von vier Elektromotoren mit je 160 Kilowatt Leistung angetrieben. Eine Trogfahrzeit dauert drei Minuten, 20 Minuten beträgt die Dauer eines Hubes mit Ein- und Ausfahrt. Die Jahresleistung bei 16-stündigem Betrieb in Gütertonnen beziffert sich auf 12 bis 14 Millionen Tonnen, damit betrug die durchschnittliche Auslastung in den vergangenen zwei Jahren 70 Prozent.

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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