Zuschauerbrief an den MDR von Dietmar Bloch

Mittwoch, 12. April 2006, 12:25 Uhr

Zuschauerbrief an den MDR von Dietmar Bloch

VHdS-Mitglied Dietmar Bloch zum Auftritt von Dr. Dörfler im MDR am 06.04.2006

Sehr geehrtes MDR-Aktuell-Team,

die Sendung um 21.45 Uhr sehe ich wirklich sehr gern und fast täglich. Neben Sachsen-Anhalt-heute ist es für mich die wichtigste Nachrichtensendung.

Leider war ich bei der Sendung von gestern (06.04.) doch sehr entrüstet.

Das Thema Hochwasser ist wirklich sehr aktuell, sehr ernst und bedrohlich, jedoch bisher nicht katastrophenartig. Es ist ein sehr hohes Frühjahrshochwasser. Ich habe beruflich mit der Elbe zu tun und kann mich in 30 Dienstjahren an ein solches Schmelzwasser nicht erinnern.

Die Analysen des Hochwassers von 2002 haben aber gezeigt, dass es in mehr oder weniger großen Abständen immer wieder sehr hohe Hochwasser gegeben hat. Inwiefern jetzt tatsächlich eine Häufung auftritt, kann man in diesem historisch kurzen Zeitraum noch gar nicht einschätzen und schon gar nicht prognostizieren. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, nur subjektive Prognosen!

Hier ist auch mein Kritikpunkt:

Der Studiogast des gestrigen Abends, Herr Dr. Dörfler wurde als Hochwasserexperte vorgestellt. Aus meiner Sicht ist er weder Hochwasserexperte noch Elbe-Experte, auch wenn er schon des öfteren mit letzterem bezeichnet wurde. Seine Bewertung des Hochwassers ist natürlich auch aus Sicht des BUND geprägt aber leider, wie so oft sachlich falsch!

Bereits beim Hochwasser 2002 versuchte der BUND die Schuld an der Katastrophe auf den Ausbau des Flusses zurückzuführen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die Befestigungen im Fluss nur bis zu maximal 1 % Auswirkung auf das Hochwasser Einfluss hatten. Wie denn auch, wenn das Flussbett normal ca. 150 m breit ist und bereits bei Mittelwasser die Buhnen überflutet sind. Bei Hochwasser dehnt sich der Fluss teilweise auf mehrere Kilometer aus, welchen Einfluss soll dann bei diesen hohen Wasserständen der Flussausbau noch haben? Schließlich erfolgte dieser vor mehr als 150 Jahren mit dem Zweck, den Fluss in einem Bett zu halten, sein mäandrieren zu verhindern und gleichzeitig eine Niedrigwasserregulierung vorzunehmen.

Bei dem Elbausbau im 19. Jahrhundert hat man der Elbe einen weitestgehend natürlichen Lauf belassen, zwar geprägt von über 6.000 Buhnen und Längsbefestigungen in Außenradien der Krümmungen. Ansonsten ist die Elbe wirklich weitestgehend frei fließend. Daran will auch heute niemand etwas ändern! Und auch hier versucht der "Experte" immer wieder die drohenden Gefahren einer Kanalisierung der Elbe heraufzubeschwören oder spricht vom "Zuschottern", obwohl die Ausbauziele klar definiert sind. Der einzig tatsächliche Ausbau sind die vorgesehenen Baggerarbeiten in der Stadtstrecke Magdeburg, die jedoch die Umweltschützer mit unsachlichen Argumenten bisher verhindert haben.

Natürlich hatte die Elbe vor der Regulierung im 19. Jahrhundert weit aus mehr Ausdehnungsflächen für Hochwasser. Man muss aber auch sagen, dass es davor keine generelle Eindeichung gab. Teilweise versuchten sich die Ortschaften durch Ringdeiche zu schützen, was aber nie von dauerhaftem Erfolg war bzw. durch das Mäandrieren der Elbe ganze Ortschaften vom Wasser weggespült wurden. Hierzu weiß aber auch jedermann, dass schon von jeher der Mensch versuchte am Wasser zu bauen und zu siedeln.

Mit der Regulierung erfolgte damals auch der Bau der Deiche, die sich im Wesentlichen auch seit diesem Zeitraum bewährt haben! Bisher auch bei diesem Hochwasser! Die größten Überschwemmungen sind doch im oberen Bereich der Elbe (oberhalb Dresden), wo man ohnehin im natürlichen Überflutungsbereich gebaut hat, egal ob bewußt oder unbewußt. Weiter unterhalb, wo die Elbe nicht mehr durch ein Tal eingezwängt wird, haben die Deiche bisher standgehalten. Offensichtlich gab es an einzelnen Orten aber doch noch Nachlässigkeiten bei den Deichschauen oder bei notwendigen Reparaturen. Wichtig ist aber auch für einen ordnungsgemäßen Abfluss des Hochwassers, dass die vorhandenen Überflutungsräume von unnötigem Unrat frei gehalten werden und nicht zu stark zugewachsen sind. Bei allem Naturschutz, manchmal muss ein Baum auch gefällt werden!

Ob es einen Deichrückbau geben soll, wie behauptet,  und ob der überhaupt sinnvoll ist das kann man sicherlich untersuchen. Mit Sicherheit muss man dann auch die viele Menschen fragen, die jetzt bis an die Hochwasserschutzanlagen heran gebaut haben oder bis zum Deich Landwirtschaft betreiben!

Ich glaube, hier wird es doch erhebliche Probleme geben, die Wünsche des Dr. Dörfler umzusetzen. Die vielen davon Betroffenen werden sicherlich kräftigeren Widerstand entgegensetzen als die kleine Sparte der Binnenschiffer auf der Elbe, die von Dr. Dörfler doch zu gern totgeredet werden!

Übrigens sind auch die Binnenschiffer auch vom Hochwasser direkt betroffen, denn die Schifffahrt ist natürlich eingestellt. Indirekt wird die Schifffahrt zusätzlich betroffen, denn durch das Hochwasser werden sich sicherlich auch die Fahrrinnenverhältnisse verschlechtern, zumal noch nicht einmal die Schäden von 2002 behoben waren (die Bundesregierung hatte die Beseitigung bis 2010 vorgesehen).

Für mich ist es außerdem völlig unverständlich warum ein umweltfreundlicher Verkehrsträger (das Binnenschiff) gerade von den Umweltschützern derart blockiert wird. Denn insbesondere bei den knapper werdenden Energiereserven, siehe Ölpreisentwicklung, sollte doch ein energietechnisch günstiges Verkehrsmittel eher gefördert werden!

Insofern fand ich den gestrigen Studiogast nicht dazu angetan, eine vernünftige Informationspolitik zu betreiben und die bin ich im Wesentlichen bisher vom MDR gewöhnt. Viel zu oft hat dieser "Experte" mit falschen Zahlen oder aus der Luft gegriffenen Argumenten Fehlinformationen über das sensible Thema "Elbe" zu verbreiten. Ich bedaure sehr, dass die Medien, nicht nur der MDR, zum Thema Elbe leider zu stark diese Seite betonen. Leider auch in Sachsen-Anhalt-heute oder MDR-Radio Sachsen-Anhalt. Sobald eine Information zu Schifffahrt, zu Baumaßnahmen an Gewässern gegeben wird, wird auch der wachsame Hinweis von Bedenken (der Umweltschützer) gegeben. Andererseits wird Auftritten der Umweltschützer, wie in der gestrigen Sendung ungebührlich breiter Raum gegeben.

 

Ich fände es schön, wenn das sensible Thema der Flüsse und Wasserwege doch etwas objektiver behandelt werden könnte!

Noch eine letzte Bemerkung:

Ich hoffe sehr, dass meine oben getroffene Aussage zur Bewährung der Deiche bestehen bleiben kann. Leider mache ich mir persönlich um den Norden des Landes und die am unteren Flusslauf gelegenen Gebiete Sorgen. Mit dem langsamen Ablaufen des doch sehr langen Hochwasserscheitels muss man befürchten, dass die Deiche aufweichen, besonders weil schon vor dem Hochwasser die Wiesen und Niederungen durch den langen Wintergefroren waren, das Schmelzwasser aus dem Flachland nicht abtrocknen konnte und zusätzlich durch Niederschläge Belastungen auftraten. Sprich: Die Deiche waren schon vor dem Hochwasser nass. Darin liegt natürlich eine große Gefahr für den Norden, weil durch das flachere Land die Fließgeschwindigkeit abnimmt, sich dass Wasser aufstaut, länger stehen bleibt und dadurch die Deiche mehr aufweichen. Da stört übrigens JEDER Hochwassertourist!

Mit freundlichem Gruß

Dietmar Bloch

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)