Zweifel am Saale-Elbe-Kanal

Montag, 02. Juni 2008, 06:43 Uhr

Zweifel am Saale-Elbe-Kanal

Hallesche Gutachter: Rentable Binnenschifffahrt sei wegen häufiger Trockenheit unwahrscheinlich

mz-web.de, von Johannes Dörries, 01.06.08

Hallesche Gutachter: Rentable Binnenschifffahrt sei wegen häufiger Trockenheit unwahrscheinlich

Halle/MZ. Der geplante Saale-Elbe-Kanal bei Tornitz (Salzlandkreis) ist ökologisch schädlich und unwirtschaftlich. Das geht aus einem Gutachten von Wissenschaftlern der Universität Halle-Wittenberg hervor, das der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Dienstag vorstellen will und das der MZ vorliegt. Aktuelle Daten zur Klimaentwicklung weisen der Studie zufolge auf längere und häufigere Trockenperioden und damit niedrigere Wasserstände für die Elbe hin. Eine ganzjährige rentable Binnenschifffahrt werde damit immer unwahrscheinlicher, heißt es. Die Wissenschaftler - der Betriebswirtschafts-Professor Hans-Ulrich Zabel und seine Mitarbeiterin Charlotte Hesselbarth - schlussfolgern daraus: "Den mit dem Saaleausbau verbundenen Belastungen von Steuerzahlern, Natur, Klima und zukünftigen Generationen stehen keine adäquaten Nutzenerwartungen gegenüber."

Für das Projekt sind 80 Millionen Euro veranschlagt. Im März ist das Raumordnungsverfahren eröffnet worden. Befürworter erwarten von dem Kanal wirtschaftliche Impulse für die Region. Eine der Grundlagen für das Verfahren ist ein Gutachten aus dem Jahr 2004, das im Auftrag des Bundesverkehrsministerium von dem Essener Planco-Institut erstellt worden war. Die Expertise hat dem Vorhaben Wirtschaftlichkeit bescheinigt.

Zabel und Hesselbarth betonen, dass die Planco-Studie sich nicht als Entscheidungsbasis eigne. Die zugrunde gelegten Daten seien überholt, die Methoden ungeeignet und die Gesamtaussage nicht haltbar. Die Wissenschaftler aus Halle verweisen auf Daten des Weltklimarates IPCC, des Potsdam-Insitituts für Klimaforschung sowie auf Studien des Umweltbundesamtes. Beim Vergleich zwischen den Verkehrsträgern Schiff, Bahn und Lkw, so ein Vorwurf an Planco, sei unsauber gearbeitet worden. Es fehle der Hinweis, dass das Schiff der Bahn bei der CO2-Bilanz klar unterliege.

Zu den Befürwortern des Projektes gehört Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Er hatte jüngst eine sachliche Debatte angemahnt. Das Raumordnungsverfahren sei der geeignete Weg zu prüfen, ob das Vorhaben sinnvoll umsetzbar ist.

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