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Ausbau des Magdeburger Hafens

Mittwoch, 20. Oktober 2004, 11:01 Uhr

Ausbau des Magdeburger Hafens

Erster Rammschlag durch Minister Daehre

VOLKSSTIMME
20.10.2004 Magdeburg

Magdeburg - Historischer Tag für Magdeburg als Stadt am Strom: Gestern wurde der erste Rammschlag für einen neuen Hafen gesetzt. Der künftige Hansehafen, in dem 2006 die ersten Schiffe anlegen werden, ist der 4. in der jüngeren Geschichte der Stadt. 35 Millionen Euro werden investiert.

Gestern gegen 9.45 Uhr unmittelbar am künftigen Hansehafen: Landesverkehrsminister Karl-.Heinz Daehre, Oberbürgermeister Lutz Trümper, Andreas Schaper vom Landeswirtschaftsministerium und Hafen-Chef Karl-Heinz Ehrhardt drückten gemeinsam auf einen roten Knopf. Dann ging die schwere Ramme in Betrieb, um die 17,6 Meter langen Spundbohlen ins Erdreich am Ufer des Rothenseer Verbindungskanals zu treiben.

Der gestrige Auftakt für den Hansehafenbau hatte symbolischen offiziellen Charakter: Stadt, Land und Bund wollen hier für insgesamt 35 Millionen Euro Magdeburgs Wirtschaftsentwicklung vorantreiben.

Bereits seit einigen Wochen sind dafür auf dem 40 Hektar großen Areal östlich des August-Bebel-Damms die Planierraupen in Bewegung, 100 Meter der künftig fast 1,5 Kilometer langen Spundwand stehen bereits. Im westlichen Bereich stehen Planierarbeiten für eine 1700 Meter lange Verbindungsstraße zum Bebeldamm/A2 und für die 3500 Meter lange neue Hafenbahn-Anschlusstrasse an der Tagesordnung. Der Hafenbau am Rothenseer Verbindungskanal, seit 1893 der 4. Neubau, ist praktisch in vollem Gange. Bis 2006 wird am mit schwerer Hafentechnik bestückten Kai auch ein Container-Verladeterminal entstehen. Zu dem Zeitpunkt sollen die ersten Schiffe vor Anker gehen.

Das sei ein guter Tag für Magdeburg, wertete gestern Lutz Trümper. Immerhin werden im Hansehafenareal über 35 Hektar Industrieansiedlungsfläche und neue Arbeitsplätze in bester Lage entstehen. Jetzt müsse, so der Oberbürgermeister, schnell die Niedrigwasserschleuse folgen, um den Hafen ganzjährig wasserstandsunabhängig von der Elbe zu machen.

Das betonte auch Minister Daehre. Der Hansehafen stärke die umweltverträgliche Binnenschifffahrt, sagte er und forderte, zum gestoppten Elbausbau in der Stadtstrecke Magdeburg das Planfeststellungsfahren zu Ende zu führen. So könnten objektiv die ökologischen Fragen abgeklärt werden.

Das Investvolumen von 35 Millionen Euro für den Hansehafen wird jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen. Das Ministerium fördere bewusst das Projekt und setze auf den Standort Rothensee, sagte Andreas Schaper, Abteilungsleiter im Landeswirtschaftsministerium.

Das Land habe Vorleistungen gebracht, jetzt müsse das Deutsche-Einheit-Projekt 17 zu Ende gebracht werden, sagte er in Anspielung auf die Niedrigwasserschleuse.

Die ist für Hafenchef Karl-Heinz Erhardt und Aufsichtratsvorsitzenden Klaus Puchta gleichermaßen ein Springpunkt in der Entwicklung des hiesigen Binnenhafens zur Hinterlanddrehscheibe der Seehäfen. Erhardt rechnet nach vollem Funktionieren des Hansehafens mit bis zu 20000 Containern im Hafen Magdeburg. In diesem Jahr werden es fast 10000.

Bei 12000 bis 14000 Containern schreibt die GmbH schwarze Zahlen.

Bis 2006 soll die erste Stufe einschließlich Terminal, bis 2008 das Gesamtvorhaben abgeschlossen sein, nannte die Hafen GmbH den Zeitplan. Noch in diesem Jahr werden die ersten 750 Meter Spundwand fertig sein. Im 1. Quartal 2005 startet das Wasserstraßen-Neubauamt die Verbreiterung des Rothenseer Verbindungskanals im Bereich des Hansehafens.

Von Karl-Heinz Kaiser (LRMD)

MDR, 20.Oktober 2004

Verbindungskanal Rothensee

Magdeburger Hafen wird ausgebaut

Mit dem ersten Rammschlag hat am Dienstag am Magdeburger Hansehafen der Bau einer neuen, 1500 Meter langen Kaimauer begonnen. Für 35 Millionen Euro soll am Rothenseer Verbindungskanal ein modernes Zentrum zum Güterumschlag zwischen Straße, Schiene und Wasserweg entstehen. Der Terminal ist auch für die größeren "Europaschiffe" ausgelegt; 2006 sollen die Arbeiten beendet sein. Die Kosten werden je zur Hälfte von Bund und Land getragen.

Über den Hafen sollen Windanlagen verschifft werden

Die ersten Kunden für den neuen Umschlagplatz stehen schon bereit. So will Deutschlands größter Windanlagenbauer Enercon seine bis zu 56 Meter langen Rotorblätter von Magdeburg aus über den Wasserweg ausliefern. Zugleich wird am Hansehafen eine Fläche von 40 Hektar für die Ansiedlung von Investoren geschaffen.

Magdeburg hat den größten Binnenhafen Ostdeutschlands

Daehre: "Augen zu und durch"

Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre forderte das Bundesverkehrsministerium zur zügigen Umsetzung der Wasserstraßen- und anderer Verkehrsprojekte auf:

"Wir müssen einfach den Mut haben, das zu Ende zu führen, egal, wie das Verfahren letztlich ausgeht"

Ziel ist, den größten ostdeutschen Binnenhafen an das Wasserstraßenkreuz von Elbe und Mittellandkanal anzuschließen, um vom Wasserstand der Elbe unabhängig zu werden. Kritiker bezweifeln hingegen, dass sich der Wasserstraßenausbau rechnen wird. Gegenwind gibt es auch von Umweltschützern.

Der Magdeburger Hafen ist mit einer Fläche von insgesamt 655 Hektar, 6000 Meter Kailänge, einem Gleisnetz von 54 Kilometer Länge und einem Umschlagvolumen von bis zu 3,5 Millionen Tonnen jährlich der größte Binnenhafen Ostdeutschlands.